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Author: CarinaS

Wie hilft ein Zukunftsbild bei Entscheidungen?

Organisationen treffen täglich Entscheidungen – über Investitionen, Strukturen, Märkte oder Technologien. Viele dieser Entscheidungen wirken weit in die Zukunft, werden aber auf Basis der Gegenwart oder Vergangenheit getroffen. Genau hier entsteht ein Problem: Wer nur die Gegenwart als Maßstab nimmt, entscheidet reaktiv statt vorausschauend.

Ein Zukunftsbild schafft Abhilfe. Es ist kein Wunschdenken und kein Masterplan – sondern ein konkretes, gemeinsam entwickeltes Bild davon, wie die relevante Welt in 10, 15 oder 20 Jahren aussehen könnte. Und es verändert fundamental, wie Entscheidungen getroffen werden.

Wie übersetzt man ein Zukunftsbild in konkrete Entscheidungen?

Der klassische Planungsansatz denkt von heute aus vorwärts: Was ist jetzt möglich? Was sind die nächsten Schritte? Das funktioniert gut in stabilen Umfeldern. In einem Umfeld mit hoher Unsicherheit – technologischem Wandel, geopolitischen Verschiebungen oder veränderten Kundenbedürfnissen – führt dieser Ansatz jedoch dazu, dass Entscheidungen zwar konsistent mit der Vergangenheit sind, aber nicht mit der Zukunft.

Ein Zukunftsbild dreht diese Logik um. Man beginnt mit einer plausiblen, ausgearbeiteten Vorstellung der Zukunft und fragt: Was müssen wir heute entscheiden, tun oder aufbauen, um in diesem Zukunftsszenario handlungsfähig zu sein?

Dieses sogenannte Backcasting macht aus einer abstrakten Zukunft einen konkreten Entscheidungsrahmen.

Was ein Zukunftsbild konkret leistet

1. Es schafft einen gemeinsamen Bezugspunkt

In vielen Organisationen fehlt ein geteiltes Bild davon, wohin die Reise geht. Abteilungen optimieren lokal, Führungskräfte priorisieren unterschiedlich – nicht aus böser Absicht, sondern weil kein verbindlicher Orientierungsrahmen existiert.

Ein Zukunftsbild gibt allen Beteiligten dieselbe Landkarte. Das reduziert Reibung und schafft eine Grundlage für kohärente Entscheidungen – auch dezentral und ohne ständige Abstimmung.

2. Es macht implizite Annahmen explizit

Jede Entscheidung basiert auf Annahmen über die Zukunft. Wer eine neue Fabrik baut, geht davon aus, dass der Markt existiert. Wer in bestimmte Kompetenzen investiert, nimmt an, dass diese Kompetenzen relevant bleiben. Meist bleiben diese Annahmen unausgesprochen – und damit unkritisch.

Ein Zukunftsbild zwingt dazu, Annahmen offenzulegen, zu diskutieren und zu prüfen. Das ist unbequem, aber wertvoll.

3. Es ermöglicht robuste statt optimierte Entscheidungen

Klassische Entscheidungsmodelle suchen die beste Option unter gegebenen Annahmen. Zukunftsbilder – vor allem wenn sie als Szenarien ausgearbeitet sind – ermöglichen eine andere Frage:

Welche Entscheidung hält sich über verschiedene plausible Zukünfte hinweg?

Diese Robustheitsperspektive verändert, welche Optionen attraktiv erscheinen. Manche Entscheidungen, die unter einer einzelnen Annahme optimal wären, erweisen sich als fragil. Andere, die weniger glänzen, zeigen sich als dauerhaft tragfähig.

4. Es beschleunigt Entscheidungsprozesse

Paradoxerweise spart ein gut entwickeltes Zukunftsbild Zeit.

Wer beim Aufkommen einer neuen Frage – soll man eine Partnerschaft eingehen, ein Produkt einstellen oder eine neue Region erschließen – auf ein bestehendes Zukunftsbild zurückgreifen kann, braucht weniger grundlegende Diskussionen.

Wir gehen weg von: „Was denken wir über die Zukunft?“
hin zu: „Passt diese Option zu dem, was wir bereits gemeinsam erarbeitet haben?“

Kein Allheilmittel, aber ein unterschätztes Werkzeug

Ein Zukunftsbild ersetzt keine Analyse, keine Expertise und keine gute Urteilsfähigkeit. Es beantwortet auch nicht alle Fragen – nicht einmal die meisten.

Aber es verändert die Qualität der Fragen, die gestellt werden. Und es gibt Entscheidungen eine Richtung, die über das nächste Quartal hinausreicht.

Organisationen, die heute unter hohem Entscheidungsdruck stehen und gleichzeitig in einem unsicheren Umfeld operieren, profitieren besonders davon. Nicht weil ein Zukunftsbild Sicherheit schafft – das kann es nicht. Sondern weil es aus diffuser Unsicherheit einen handhabbaren Orientierungsrahmen macht.

Der pragmatische Kern ist einfach: Ein Zukunftsbild hilft nicht, die Zukunft vorherzusagen.
Es hilft, trotz Unvorhersehbarkeit klüger zu entscheiden.

Wie ein Zukunftsbild entsteht

Genau hier setzt Futures Thinking an.

Statt nur Prognosen zu erstellen oder Trends zu sammeln, entwickeln Organisationen systematisch ein fundiertes Zukunftsbild ihrer relevanten Welt. Das geschieht typischerweise in drei Schritten:

  1. Zukünftige Veränderungen verstehen
    Analyse globaler Treiber – von Technologie über Geopolitik bis zu gesellschaftlichen Entwicklungen.
  2. Mögliche Zukunftsszenarien entwickeln
    Mehrere plausible Zukunftsbilder zeigen, wie sich Märkte, Technologien und Wertschöpfung verändern könnten.
  3. Von der Zukunft zurückdenken
    Durch Backcasting wird klar:
    Welche Fähigkeiten, Partnerschaften oder Geschäftsmodelle müssen wir heute aufbauen, um morgen erfolgreich zu sein?

Das Ergebnis ist kein statischer Strategieplan, sondern ein Orientierungsrahmen für Entscheidungen.

Ein gutes Zukunftsbild beantwortet nicht jede Frage.
Aber es hilft Führungsteams bei den wichtigsten:

  • Welche Investitionen sind langfristig sinnvoll?
  • Welche Fähigkeiten werden entscheidend?
  • Welche Chancen entstehen gerade durch den Wandel?

Kurz gesagt: Futures Thinking macht Zukunft entscheidungsrelevant.

Komplex vs. kompliziert: Warum wir adaptive Handlungsstrategien brauchen

Kann ein Schmetterling wirklich einen Tornado auslösen?
Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren. Und genau das ist der Punkt.

Denn selbst wenn wir nie mit Sicherheit sagen können, ob der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien tatsächlich einen Tornado in Texas auslöst – wir müssen trotzdem mit dem Tornado umgehen lernen.

Der Schmetterlingseffekt: Warum kleine Ursachen große Wirkungen haben können

Der sogenannte Schmetterlingseffekt ist eine Metapher aus der Chaostheorie, geprägt vom Meteorologen Edward Lorenz. Seine These: Winzige Veränderungen in einem Ausgangszustand können – über viele Wechselwirkungen hinweg – massive Auswirkungen haben.

Ein minimal veränderter Messwert, ein kleiner Impuls, ein scheinbar irrelevantes Ereignis kann ein ganzes System in eine andere Richtung kippen.

Das berühmte Beispiel mit dem Schmetterling und dem Tornado ist deshalb weniger als naturwissenschaftliche Behauptung zu verstehen – sondern als Sinnbild für unsere Welt.

Unsere Welt ist nicht mehr kompliziert. Sie ist komplex.

Und dieser Unterschied ist entscheidend.

  • Kompliziert bedeutet: schwer verständlich, aber grundsätzlich lösbar.
    Es gibt klare Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Mit genügend Expertise, Zeit und Analyse kommen wir ans Ziel. Ein Uhrwerk ist kompliziert.
  • Komplex beschreibt Systeme, die dynamisch, vernetzt und nicht linear sind.
    Ursache und Wirkung liegen zeitlich und räumlich auseinander, Effekte verstärken oder neutralisieren sich gegenseitig. Wetter, Verkehr, Gesellschaft – all das ist komplex.

Unsere Welt ist längst in dieser zweiten Kategorie angekommen.
Globalisierung, KI-Systeme, geopolitische Verschiebungen, Multipolarität: Eine kleine Veränderung an einer Stelle kann globale Konsequenzen haben – oft verzögert, oft unerwartet.

Warum Prognosen nicht mehr tragen

Ähnlich wie bei der Wettervorhersage gilt: Über einen gewissen Zeithorizont hinaus wird es spekulativ.
Nicht, weil wir zu wenig Daten haben. Sondern weil komplexe Systeme prinzipiell nicht stabil prognostizierbar sind.

Der Begriff VUCA (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) ist deshalb nicht nur ein Buzzword.
Er beschreibt ziemlich treffend die Realität, in der wir heute leben.

Von der Lösung zur Anpassung

In der Vergangenheit konnten wir viele Herausforderungen analytisch lösen:

  • Problem definieren
  • Ursache identifizieren
  • Lösung implementieren

Wenn wir nur strategisch genug, tief genug und lange genug daran gearbeitet haben, ließ sich ein Problem „abschließen“.

Heute stoßen wir an eine neue Grenze: Manche Probleme lassen sich nicht final lösen. Sie bleiben in Bewegung.

Das heißt nicht, dass wir handlungsunfähig sind.
Aber es heißt, dass wir anders handeln müssen.

Drei adaptive Wege, mit Komplexität umzugehen

1. Szenarien-Denken – „Was wäre, wenn …?“

Nicht mit dem Anspruch, die eine richtige Zukunft vorherzusagen.
Sondern um verschiedene mögliche Zukünfte durchzudenken – im Wissen, dass keine davon exakt so eintreten wird.

Und trotzdem steckt in jeder eine Erkenntnis, die hilft, heute bessere Entscheidungen zu treffen.

2. Futures Wheel – raus aus dem linearen Denken

Das Futures Wheel hilft, die Konsequenzen einer einzelnen Entwicklung sichtbar zu machen:

  • erste Effekte
  • zweite, dritte, vierte Ordnung
  • Wechselwirkungen, Rückkopplungen, Nebenfolgen

Nicht um alles zu kontrollieren – sondern um Komplexität überhaupt erst zu sehen.

3. Fokus auf das, was ich kontrollieren kann

Das ist der vielleicht wichtigste Punkt – und zugleich der persönlichste.

Wo fürchte ich mich vor Entwicklungen, rege mich auf, verliere Energie?
→ Das entzieht mir Handlungsfähigkeit.

Wo kann ich gestalten, entscheiden, beeinflussen – auch im Kleinen?
→ Das gibt Energie zurück. Und Agency.

What Is a Futures Wheel?

A simple tool to think complex thoughts about the future

The Futures Wheel is one of those rare foresight tools that looks deceptively simple — and then quietly forces you to confront how non-linear the future really is.

Originally developed in 1971 by Jerome C. Glenn, the Futures Wheel has guided futurists, strategists, and decision-makers for more than five decades in exploring the ripple effects of change. It is also documented in the Futures Research Methodology (FRM), one of the core reference works in professional foresight.

At its core, the Futures Wheel helps individuals and organizations move beyond linear cause-and-effect thinking, and instead map how one change can cascade across systems, sectors, and societies.

The basic idea

A Futures Wheel is a structured, visual brainstorming method used in strategic foresight to explore the direct and indirect consequences of a specific trend, event, decision, or innovation.

It asks:

“And then what?”
“And what follows from that?”
“Who else is affected, and how?”

The result looks a bit like a spider web or a set of concentric circles — but conceptually, it represents chains of impact spreading outward over time.

How a Futures Wheel is structured

The structure is deliberately simple:

1. The center: the change

At the core sits a single, clearly defined change, often phrased as a thesis:

  • A new technology
  • A regulatory shift
  • A strategic decision
  • A societal or economic trend

Example: “Autonomous trucks become mainstream in Europe.”

2. First-order consequences

In the first ring around the center, you map direct, immediate effects — the things that happen because the change occurs.

These are often the most obvious impacts.

3. Second- and third-order consequences

From each first-order consequence, you then ask: “What does this lead to?”

These indirect effects populate the outer rings:

  • Effects of effects
  • Side effects
  • Feedback loops
  • Unintended consequences

What problem does the Futures Wheel solve?

Most strategic thinking fails in one of two ways:

  • It stays too linear (“If X happens, Y follows”).
  • It focuses only on first-order effects, missing the real strategic implications.

The Futures Wheel is designed to do the opposite. Its purpose is to:

  • Surface complex, interconnected consequences
  • Reveal unexpected risks and opportunities
  • Challenge optimistic or pessimistic single-story futures
  • Make implicit assumptions visible

In short: it helps teams think systemically about change.

Where and how it is used

The Futures Wheel is widely applied across contexts, including:

  • Strategy & innovation: exploring second-order effects of new products or business models
  • Technology foresight: assessing societal, economic, and regulatory impacts of emerging tech
  • Policy & regulation: anticipating unintended consequences of laws or reforms
  • Organizational decision-making: stress-testing major strategic moves

It is especially useful early in a foresight or strategy process, before numbers, roadmaps, or KPIs narrow the field of vision.

Was ist Futures Thinking?

Futures Thinking, auch bekannt als Strategisches Zukunftsdenken oder Foresight Thinking, ist ein interdisziplinärer und strategischer Ansatz, um sich mit der Vielfalt möglicher Zukünfte auseinanderzusetzen. Anders als bei klassischen Prognosen oder linearen Zukunftsmodellen geht es beim Futures Thinking nicht um Vorhersagen, sondern um den aktiven Umgang mit Unsicherheit, Komplexität und Wandel.

Im Zentrum steht die Fähigkeit, Multioptionalität – also mehrere denkbare Zukünfte – anzuerkennen und daraus Erkenntnisse für die Gegenwart abzuleiten.

„Futures Thinking darf nicht als sinnloser Versuch missverstanden werden, die Zukunft vorherzusagen – denn diese ist per Definition nicht vorhersagbar. Vielmehr vermittelt Futures Thinking die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen und Komplexität zu bewältigen. Es befähigt Menschen dazu, ihre bevorzugten Zukunftsszenarien aktiv zu gestalten und mitzugestalten.“

-Canina, Bruno & Monestier: Futures Thinking (SpringerLink)

Futures Thinking ist eine methodisch gestützte Denkweise, die Organisationen, Regierungen und Individuen hilft, mögliche zukünftige Veränderungen und Unsicherheiten zu verstehen und damit umzugehen.

Wer nutzt Futures Thinking?

Die britische Regierung nutzt Futures Thinking, um politischen Entscheidungen eine langfristige Perspektive zu geben. Laut einem offiziellen Leitfaden der Regierung bieten Methoden der Zukunftsforschung „einen strukturierten Ansatz, der robust ist und auf langfristige Veränderungen reagiert.“ (GOV.UK, 2022)

Auch Unternehmen wie E.ON setzen auf Futures Thinking, um ihre Branche auf die Zukunft auszurichten. Sie beschreiben Futures Thinking sogar als dieFähigkeit des Jahrhunderts:

„Futures thinking is a key skill for this century.“

– Hiromi Valenzo, Foresight-Expertin bei E.ON (E.ON Innovation)

Welche Methoden gibt es im Futures Thinking?

Häufig genutzte Tools sind:

  • Szenarienentwicklung
  • Horizon Scanning (Trends und Zukunftsentwicklungen systematisch recherchieren)
  • Backcasting (Rückwärtsdenken vom Ziel)
  • Futures Wheel (Konsequenzen verschiedener Zukunftsentwicklungen durchdenken)
  • Delphi-Methode (Mehrstufige, qualitative Interview-Methode)
  • Cross Impact Analysis (Verknüpfung verschiedener Trends und deren Auswirkungen)

Was unterscheidet Futures Thinking von Trendforschung?

Statt sich auf einzelne Trends oder Detailprognosen zu fokussieren, rückt Futures Thinking große gesellschaftliche, technologische, wirtschaftliche oder ökologische Dynamiken in den Fokus. Das Ziel ist es, neue Handlungsräume zu eröffnen und den strategischen Horizont zu erweitern.

Futures Thinking ist ein strategischer Ansatz zur Betrachtung der Zukunft aus verschiedenen Blickwinkeln. Im Zentrum steht die Fähigkeit, Multioptionalität anzuerkennen und Unsicherheit sowie Komplexität aktiv zu gestalten, statt die Zukunft linear vorherzusagen.

Wünschenswerte Zukünfte können, müssen aber nicht im Zentrum stehen: Entscheidend ist die Erweiterung des Denk- und Handlungshorizonts durch die systematische Auseinandersetzung mit verschiedenen möglichen Zukünften.

Was ist der Unterschied zwischen Futures Thinking und Futures Literacy?

Futures Thinking ist ein Denkansatz und Methodenset.
Futures Literacy ist eine Grundkompetenz, um mit Zukünften reflektiert umgehen zu können:

„Futures Literacy hilft Menschen zu verstehen, warum und wie wir die Zukunft nutzen, um uns vorzubereiten, zu planen und mit der Komplexität und Neuartigkeit unserer Gesellschaften umzugehen.“ (UNESCO)

Carina Stöttner im Podcast mit dem VDFU: Freizeitgeflüster

Was kommt auf die Freizeitbranche zu – und wie können wir Zukunft nicht nur ertragen, sondern aktiv gestalten? In dieser Folge von Freizeitgeflüster gilt der Blick nach vorne.

Hier geht’s zur Folge!

Stefan und Valeria sprechen mit Carina Stoettner, Zukunftsforscherin und Gründerin der Futurewise Company, über den Umgang mit Unsicherheit, gesellschaftlichen Wandel und die Rolle von Freizeitangeboten in einer Zeit voller Transformationen. Statt nostalgischem „Früher war alles besser“ geht es um konkrete Zukunftsbilder, Visionen und Handlungsfähigkeit.

Carina erklärt, warum unser Gehirn Unsicherheit meidet, weshalb Worst- und Best-Case-Denken helfen kann und wieso Visionen nicht naiv, sondern strategisch notwendig sind. Ein großes Thema ist außerdem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz: nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Werkzeug, das Effizienz schafft – während echte menschliche Begegnungen in der Freizeitbranche immer wertvoller werden.

Gemeinschaft, Sinnhaftigkeit und modulare Angebote werden als zentrale Zukunftstreiber diskutiert. Die Folge zeigt, warum Freizeit in Zukunft fragmentierter, menschlicher und relevanter für gesellschaftlichen Zusammenhalt wird – und was Unternehmen heute schon tun können, um resilient zu bleiben.

Moderatoren in dieser Folge: Valeria Torchiaro-Steinmeier (Bavaria Filmstadt) Stefan Burian (Selbstständiger Berater)

Why I founded the Futurewise Company

For years I have been working with executive boards and decision-makers. Through Covid, a war in Europe, the energy crisis, inflation, and shattered supply chains. Amid all these upheavals, I have experienced one thing again and again: leadership no longer takes place under stable conditions, but under permanent uncertainty.

In recent months, I have conducted many of these conversations even more consciously. I asked: What is really preoccupying you right now?

The answers are astonishingly similar.

When proven business models no longer hold

Many business models – especially in our European flagship industries – are beginning to wobble. For decades, it was enough to continuously optimize existing products, processes, and structures. Efficiency was the growth driver.

The last few years, however, have shown: that is no longer enough. Optimization alone creates no new growth when markets, technologies, and geopolitical conditions shift simultaneously.

Growth does not arise in the obvious business fields, because these are heavily contested and therefore hardly profitable. The blue oceans of the future, by contrast, are not (yet) apparent at first glance – and are thus often associated with high risk. The truly effective levers therefore frequently lie precisely where uncertainty reigns – and thus also fear.

To seize these opportunities, companies must learn to break away from pure process and optimization thinking and to think more radically again. This is not a purely strategic task, but also a cultural one. The step from maximum safeguarding toward consciously taken risk is difficult, especially for organizations that have been optimized for stability for decades.

This is exactly where futures thinking comes in: as a structured space for thinking and decision-making for radical innovation.

When not deciding becomes the greatest danger

At the same time, I am experiencing a second thing, almost even more urgent: making decisions is becoming ever more difficult.

The world is not only complex, but highly volatile. Developments do not proceed linearly, forecasts quickly lose their validity. The costs of a wrong decision have risen massively – financially, politically, culturally. In many industries, a great deal is at stake, often the economic substance itself.

The consequence: things are postponed, put on hold, analyzed further. Better to make no decision than the wrong one. But that is precisely what is fatal in a time when other players have long been trying to gain sovereignty over our economic and technological future.

Scenario work comes in at exactly this point. It creates no certainty in the classic sense, but orientation. It helps to systematically think through possible futures, to weigh options against one another, and to make decisions not from the gut, but out of an expanded understanding of the future.

Why I want to do my part

The founding of the Futurewise Company arose from precisely these observations.
I want to do my part to help European companies become capable of action again, not despite uncertainty, but with it.

My goal is to understand resilience not merely defensively, but as the foundation for new growth. Not as a retreat to what has proven itself, but as a conscious opening toward new futures. Toward business models that will still hold in five, ten, or fifteen years.

Futurewise supports leadership teams in opening up exactly these spaces: for radical thinking, for well-founded decisions, and for an economy that once again shapes its own future.

Yours,

Carina Stöttner

Wie können Unternehmen Szenarien nutzen?

Wenn Unternehmen über Zukunft sprechen, tun sie das oft implizit so, als gäbe es die eine Zukunft: eine Prognose, eine Zielzahl, einen strategischen Plan. Doch gerade in Zeiten hoher Unsicherheit greift dieses Denken zu kurz. Märkte, Technologien und gesellschaftliche Rahmenbedingungen entwickeln sich nicht linear – und genau hier kommen Szenarien ins Spiel.

Was sind Szenarien?

Szenarien sind keine Prognosen und keine Vorhersagen. Sie beschreiben alternative, in sich konsistente Zukünfte, die auf unterschiedlichen Annahmen über zentrale Einflussfaktoren beruhen.

In der deutschsprachigen Zukunftsforschung – etwa bei Rolf Kreibich – wird Zukunft häufig in unterschiedliche Kategorien unterteilt:

  • mögliche Zukünfte: alles, was prinzipiell eintreten könnte
  • wahrscheinliche Zukünfte: das, was unter heutigen Annahmen als plausibel gilt
  • wünschenswerte Zukünfte: das, was wir aktiv anstreben wollen

Szenarien bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld. Sie machen sichtbar, dass Zukunft kein feststehendes Ziel ist, sondern ein Gestaltungsraum, in dem Entscheidungen von heute Weichen stellen.

Wozu nutzt man Szenarien?

1. Ein klareres Bild möglicher Zukünfte gewinnen

Szenarien helfen, Komplexität zu strukturieren. Statt einer diffusen „Zukunftsunsicherheit“ entstehen konkrete Bilder:

  • Wie könnten sich Märkte entwickeln?
  • Welche Kundenbedürfnisse könnten dominieren?
  • Welche externen Kräfte verändern unser Spielfeld?

Diese Bilder ersetzen keine Entscheidung – aber sie schaffen eine gemeinsame mentale Landkarte, auf der Entscheidungen getroffen werden können.

2. Klarheit im Führungsteam schaffen

In vielen Führungsteams wird zwar viel über Zukunft gesprochen, aber selten überprüft, ob alle über dieselbe Zukunft sprechen. Szenarien legen implizite Annahmen offen:

  • Meinen wir Wachstum im bestehenden Markt – oder in völlig neuen Feldern?
  • Gehen wir von Stabilität aus – oder von tiefgreifender Disruption?

Szenarien machen Unterschiede sichtbar, ohne sie sofort auflösen zu müssen. Allein diese Transparenz schafft oft enorme Klarheit und verbessert die Qualität strategischer Diskussionen.

Szenarien als Projektionsfläche für Strategie und Initiativen

Ein besonders wirkungsvoller Aspekt von Szenarien ist ihre Funktion als Projektionsfläche. Bestehende Initiativen, Projekte oder Investitionen lassen sich gezielt gegen verschiedene Szenarien spiegeln:

  • Für welches Szenario ist diese Initiative eigentlich sinnvoll?
  • Welchen Kunden adressieren wir dort?
  • Was passiert, wenn wir im „falschen Szenario“ investieren?

So wird sichtbar, wo Aktivitäten am gewünschten Ziel vorbeilaufen – oder wo Ressourcen auf Annahmen beruhen, die implizit bleiben. Szenarien schaffen damit nicht nur Orientierung, sondern helfen auch, strategische Inkonsistenzenaufzudecken.

Szenarien als Exploration neuer Geschäftsmöglichkeiten

Szenarien sind nicht nur ein Instrument zur Absicherung, sondern auch zur Exploration. Indem alternative Zukunftsbilder bewusst durchgespielt werden, entstehen neue Fragen:

  • Welche Geschäftsmodelle wären in diesem Szenario attraktiv?
  • Welche Kompetenzen würden wir dort benötigen?
  • Wo entstehen neue Wertschöpfungsketten oder Kundensegmente?

Gerade jenseits des bestehenden Kerngeschäfts entfalten Szenarien ihre kreative Kraft. Sie legitimieren es, über Möglichkeiten nachzudenken, die heute noch unrealistisch erscheinen – aber morgen strategisch relevant sein könnten.

Risiken antizipieren, bevor sie akut werden

Ein weiterer zentraler Nutzen von Szenarien liegt in der frühzeitigen Antizipation von Risiken. Statt erst zu reagieren, wenn Veränderungen bereits eingetreten sind, ermöglichen Szenarien ein vorausschauendes Fragen:

  • Welche Entwicklungen könnten unser Geschäftsmodell unter Druck setzen?
  • Wo liegen potenzielle Brüche, Abhängigkeiten oder Kipppunkte?
  • Welche Frühindikatoren sollten wir beobachten?

Risiken werden dadurch nicht eliminiert – aber sie werden denkbar, diskutierbar und handhabbar.

Wir nutzen Szenarien in einer Vielzahl unserer Projekte.

Warum Offsites für Vorstände immer wichtiger werden

Der Begriff Offsite ist längst kein Buzzword mehr. Immer mehr Vorstände ziehen sich bewusst für ein oder mehrere Tage aus dem operativen Alltag zurück – raus aus dem Büro, weg von E-Mails, Termindruck und Status-Meetings. Doch was genau ist ein Vorstands-Offsite eigentlich – und warum erlebt dieses Format gerade so viel Zuspruch?

Was ist ein Vorstands-Offsite?

Ein Vorstands-Offsite ist ein bewusst gestalteter strategischer Arbeitsraum außerhalb des Tagesgeschäfts. Im Fokus stehen nicht operative Entscheidungen, sondern die großen Fragen:

  • Ist unsere strategische Richtung noch die richtige?

  • Welche Annahmen über Markt, Kunden und Wettbewerb tragen (noch)?

  • Wo müssen wir nachschärfen, wo neu denken?

Offsites schaffen Distanz – räumlich wie mental. Genau diese Distanz ist oft notwendig, um festgefahrene Denkmuster zu verlassen und wieder strategische Klarheit zu gewinnen.

Warum immer mehr Vorstände auf Offsites setzen

Die Rahmenbedingungen haben sich fundamental verändert. Märkte werden volatiler, technologische Entwicklungen schneller, geopolitische und gesellschaftliche Faktoren schwerer vorhersehbar. Klassische Vorstandssitzungen stoßen hier an ihre Grenzen.

Offsites bieten:

  • Zeit zum Denken, nicht nur zum Entscheiden

  • Alignment im Gremium, jenseits formaler Beschlusslagen

  • Raum für offene Diskussionen, Unsicherheiten und kontroverse Perspektiven

Kurz: Offsites werden zum strategischen Resonanzraum in Zeiten permanenter Unsicherheit.

Warum Foresight im Offsite besonders wirksam ist

Viele Offsites drehen sich um Strategie – aber häufig bleibt der Blick erstaunlich nah an der Gegenwart. Zahlen, Forecasts und bekannte Wettbewerber dominieren. Genau hier entfaltet Foresight seine Stärke.

Foresight hilft, Strategie nicht nur als Fortschreibung bestehender Trends zu verstehen, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit möglichen, wahrscheinlichen und wünschbaren Zukünften. Statt nur zu fragen „Was passiert nächstes Jahr?“, geht es um:

  • Welche grundlegenden Verschiebungen prägen unseren Markt?

  • Welche Annahmen könnten sich als falsch erweisen?

  • Welche Zukünfte müssen wir heute schon mitdenken?

Gerade im Offsite-Kontext entsteht dadurch ein gemeinsames Zukunftsverständnis im Vorstand – eine oft unterschätzte Grundlage für tragfähige Entscheidungen.

Unsicherheit produktiv nutzen

Foresight macht Unsicherheit nicht kleiner, aber handhabbar. Szenarien, Zukunftsbilder und strukturierte Exploration helfen, sich nicht von Unsicherheit lähmen zu lassen, sondern sie als strategische Ressource zu nutzen. Entscheidungen werden dadurch robuster – nicht weil sie sicherer sind, sondern weil sie mehrere mögliche Zukünfte berücksichtigen.

Unser Ansatz: Der beste Outcome für den Vorstand

Die Futurewise Company verfolgt dabei ein klares Ziel: den bestmöglichen Outcome für Vorstände und Führungsgremien zu erzielen. Kein Methoden-Fetischismus, keine Standardformate – sondern das, was in der konkreten Situation wirklich hilft.

Methodisch vielseitig – strategisch klar

Je nach Fragestellung kombinieren wir im Offsite-Setting unterschiedliche Ansätze:

  • Foresight, um langfristige Entwicklungen, Unsicherheiten und Szenarien zu erschließen

  • Change Management, um strategische Einsichten anschlussfähig zu machen

  • Innovationsmanagement, um neue Geschäftsfelder und Optionen zu explorieren

  • Organisationsentwicklung, um Struktur, Kultur und Entscheidungslogiken mitzudenken

Diese Methoden setzen wir nicht nebeneinander, sondern im Wechsel ein – immer orientiert an der Dynamik des Gremiums und der strategischen Fragestellung.

Der Challenger-Blick aufs Big Picture

Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist der Challenger-Blick. Wir moderieren nicht nur, wir spiegeln, hinterfragen und erweitern Perspektiven. Immer mit dem Blick auf das große Ganze:

  • Wohin entwickelt sich der Markt wirklich?

  • Welche externen Kräfte werden heute unterschätzt?

  • Welche strategischen Optionen werden (noch) nicht gesehen?

Gerade Vorstände profitieren davon, einen Sparringspartner zu haben, der nicht Teil der internen Logik ist – und genau deshalb andere Fragen stellen kann.

Why foresight and family businesses fit together so well

Symbolic image of family businesses: Carina Stöttner at the Otto Group’s #CRX24 with then-CEO Alexander Birken

Family businesses tick differently. Anyone who works with them regularly quickly senses it: here it is not just about quarterly figures, but about responsibility, continuity, and the question of what the company should be in ten, twenty, or thirty years. That is precisely why family businesses are often surprisingly foresight-minded – even if they would not always call it that themselves.

Three reasons why we particularly enjoy working with family businesses

1. Thinking in generations
While many organizations are heavily oriented toward short-term goal achievement, family businesses often think in generations. Decisions are measured not only by whether they work today, but by whether they are also viable for the next generation. This long-term thinking is the ideal foundation for strategic futures work.

2. Long-term stability over short-term profit
In family businesses, the sustainable stability of the company often takes precedence over short-term return optimization. That creates room: for strategic debates, for uncomfortable questions – and for engaging with possible futures that lie beyond the status quo.

3. Economic reserves enable risk-taking
Many family businesses have solid economic cushions. That does not mean they act carelessly – on the contrary. But it does mean that they can afford to take targeted risks, to explore new fields, and occasionally to pursue trains of thought whose return is not immediately measurable.

Why foresight work is particularly worthwhile in family businesses

As forward-looking as family businesses often are in their attitude – strategically, much nonetheless remains in optimization mode.

Strategy as fine-tuning rather than reinvention
In many family businesses, strategy primarily means: improving existing business models, becoming more efficient, securing market share. Radical reinvention or systematic exploration of new business fields takes place more rarely. This is exactly where foresight comes in: not as a replacement for existing strategies, but as an expansion of the space for thinking.

Success breeds tunnel vision
Many family businesses have been successful in the market for decades – in some cases for more than a hundred years. This success is an enormous strength, but it can also lead to tunnel vision. When a business model has worked well for a long time, it is hard to imagine that the rules of the game could change fundamentally. Here, foresight deliberately introduces an outside perspective: across industries, across markets, and fed by insights from other industries and customer markets.

Niches under pressure to change
Hidden champions in particular often operate in very specific niches. These niches are highly profitable today – but not necessarily future-proof. New technologies, regulatory changes, or shifting customer needs can cause a niche to lose significance in a new market environment. Foresight helps to recognize early on which niches remain stable, which transform – and where new ones might emerge.

Globally positioned – but often without a structured future radar

Many family businesses have long been active globally. They know international markets, serve different customer needs, and are open to new things. What is often lacking, however, are structured tools to systematically analyze this diversity and translate it into strategic options.

This is where foresight unfolds its full effect:

  • Future trends are not considered in isolation, but in their interactions.
  • Uncertainties are not suppressed, but deliberately used to develop robust strategies.
  • New markets, customer needs, and business models are not discovered by chance, but explored in a targeted way.

With our structured futures-thinking approach, the future thus becomes not an abstract vision, but a concrete strategic field of work.

To our offering

What is a driver? What is a trend?

Drivers: a definition

Drivers are the causes behind a trend. They describe the fundamental forces that set change in motion or accelerate it. A driver is an underlying dynamic that enables, forces or structures change.

Typical characteristics:

  • often operate over the long term
  • are frequently structural or systemic
  • aren’t always directly visible
  • can usually be assigned to a STEEP category

Examples

  • Demographic change
  • Technological progress (AI and automation, for instance)
  • Climate change
  • Geopolitical shifts in power
  • Changing values (security versus freedom, for instance)

 Drivers answer the question: “Why is something changing?”

Trends: a definition

Trends are the visible expressions of change.
They describe concrete developments, stable over a certain period, that emerge from one or more drivers.
A trend is an observable pattern in behavior, markets, technologies or social practice.

Typical characteristics:

  • are visible and can be described concretely
  • develop over a limited period (and can gain or lose momentum)
  • can be illustrated with examples, data or narratives
  • usually emerge from the interplay of several drivers

Examples

  • Remote and hybrid work
  • Electric mobility
  • Personalized medicine
  • The circular economy
  • Subscription models replacing ownership

Trends answer the question: “How does change actually show up?”