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Schlagwort: Foresight

Mehr als der Fünfjahresplan: Alexander Friton über das Denken in Szenarien

Die meisten Unternehmen haben eine Strategie. Deutlich weniger haben ein Bild von der Zukunft. Alexander Friton, Geschäftsführer von Qesar, erläutert, dass das auf viele Unternehmen im Maschinenbau zutrifft – und dass das Denken in Szenarien sie schließt.

In zwei kurzen Gesprächen mit der Futurewise Company erklärt Alexander, was Szenarien der Strategiearbeit hinzufügen. Und er erzählt, warum Entwicklungen, die ihm vor zwei Jahren nur plausibel erschienen, sich heute sehr real anfühlen.

Strategie ohne Zukunft

Alexander ist ehrlich, was den Ausgangspunkt angeht. Wie sich die Industrie, der Maschinenbau und der Sondermaschinenbau weiterentwickeln, wurde lang schlicht nicht gefragt. Ebenso wenig, welche Rolle eine Kooperation in dieser Zukunft spielen sollte. „Die Fragen haben wir so eigentlich nicht gestellt.“

Geplant wurde aus dem Jetzt heraus, mit einem Horizont von höchstens drei bis fünf Jahren. Zehn oder zwanzig Jahre nach vorn hat niemand die Angel ausgeworfen. „Das mag ein Widerspruch sein“, sagt er, „aber wir beschäftigen uns zwar mit Strategien, aber nicht mit der Zukunft.“

Carina Stöttner bringt die Lücke auf den Punkt: Strategie wird aus dem Hier und Jetzt oder aus der Vergangenheit abgeleitet, statt von mehreren möglichen Zukünften her gedacht. „Und das war das, was fehlt.“

Szenarien strukturieren das Denken

Für Alexander liegt der erste Wert von Szenarien in der Klarheit. „Das strukturiert erst mal das Denken“, sagt er. Denn er bewegt sich zwischen verschiedenen Optionen, jede mit eigenen Rahmenbedingungen.

So kann er sich genau verorten. Gelten diese Rahmenbedingungen, könnte die Zukunft so aussehen. Ändern sie sich, oder stellt er andere Prämissen voran, sieht sie womöglich ganz anders aus.

Am Ende steht eine Struktur aus drei, vier oder fünf Szenarien, die er nebeneinander bewerten kann. Manchmal ist die Antwort eine Kombination aus zwei Szenarien, doch die kommt erst später. Zuerst denkt er jedes Szenario für sich durch und entscheidet dann, ob seine Zukunft eines davon ist oder eine Mischung.

Erst dann folgt die praktische Frage: „Was heißt das für mein Unternehmen, für meine Strategie, für die Zukunft des Unternehmens?“ Der Nutzen ist für ihn ein doppelter: Er deckt eine Bandbreite an Möglichkeiten ab, und er geht strukturiert vor.

Wenn „plausibel“ real wird

Alexander verbindet das mit dem, was er um sich herum beobachtet. Er erinnert sich an ein Chart von Carina zur zersplitterten Parteienlandschaft, das sie in einem ihrer Impulse bei Qesar gezeigt hatte: vor zwanzig Jahren war die Parteienlandschaft relativ stabil – drei oder vier Parteien. Heute sind es deutlich mehr, und die Ergebnisse der ehemals großen und kleinen Parteien liegen viel näher beieinander. Daraus folgen häufigere Wechsel, und genau das sieht er gerade. Der damalige Impuls, dass Unternehmen sich nicht mehr auf eine konstante politische Richtung verlassen sollten, sondern lieber die Zügel selbst in die Hand nehmen sollten, wurde zunehmend Realität.

Er beobachtet, dass Unternehmer diesem Impuls folgen und sich stärker nach innen wenden. Sie konzentrieren sich auf das, was sie selbst beeinflussen können, und den Rest tun sie ab: „Haben wir eh nicht in der Hand.“ Die Rahmenbedingungen sind zwar da, sagt er, aber sie verlieren an Bedeutung, „zumindest auch an Ärgernispotential“.

Genau deshalb sind Szenarien für ihn so wichtig. Weil sich die Rahmenbedingungen schwerer kalkulieren lassen als früher, müssen Unternehmen fragen, was das für die Zukunft heißt und welche Szenarien sich daraus ergeben.

Was Carina dazu vor zwei Jahren gesagt hatte, fühlte sich für ihn damals „zwar plausibel, aber noch nicht so real“ an. Heute sagt er: „Okay, das ist jetzt schon real. Das sind wir jetzt schon.“

Weiter nach vorn schauen, öfter überprüfen

Ein längerer Horizont heißt nicht, jahrzehntelang zu warten, ob man richtig lag. Auch mit einer langfristigen Perspektive, sagt Alexander, kann man nach zwei Jahren prüfen, ob man richtig unterwegs ist oder ein bisschen korrigieren muss.

Sein Appell an andere Führungskräfte ist klar: „länger in die Zukunft zu gucken und durchaus häufiger dann Reviews zu machen, um zu schauen, ob das eben passt oder nicht.“

Und was, wenn es ganz anders kommt? Auch das gehört für ihn dazu: Man muss lernen, Schablonen und Muster zu verlassen.

Für Führungskräfte, die ihren eigenen Ansatz überdenken, lassen sich aus seiner Erfahrung drei Lehren ziehen:

  • Strategie von mehreren möglichen Zukünften her denken, nicht nur aus der Gegenwart nach vorn.
  • Zuerst mehrere Szenarien entwickeln und sie erst kombinieren, wenn jedes durchdacht ist.
  • Einen langen Horizont mit regelmäßigen Reviews verbinden und bereit sein, vertraute Muster zu verlassen.

Das gesamte Video finden Sie hier:

Seeing the Future Differently: Hasmeet Kaur on Diversity of Thought

What happens when a leadership team stops assuming it shares one picture of the future? For Hasmeet Kaur, President of the Transportation Division at MANN+HUMMEL, the answer was a wider view of her own organization and, in her words, becoming a better leader.

In a short conversation with Carina Stöttner, CEO of Futurewise Company, Hasmeet looked back on the futures work our teams did together. Carina’s opening question was simple: has anything changed about the way you think and plan for the future?

Same framework, different futures

Hasmeet’s first realization was how differently people imagine the future, even inside one company. „I think it opened up also my perspective on how different we all see and imagine the future to be,“ she said.

Everyone in her organization works within more or less the same framework. Yet, as she put it, „we have a completely different perspective on how certain things could shape.“ Making those differences visible was the first step.

Escaping the confirmation trap

Leaders can easily surround themselves with people who think the same way. Hasmeet named this risk directly: „sometimes we can fall into the trap of confirmation.“ The futures exercise pushed her not to take shared thinking for granted.

She found diversity well beyond international background or gender. What mattered most was „the diversity of thought that is in our organization.“

That discovery paid off across the hierarchy. Hasmeet called it „extremely rewarding for me at all levels“: the levels above her, her peers and her own teams. Her teams challenged her and brought perspectives to the table that she had not considered before.

A new discussion culture

Carina described what Hasmeet experienced as „a new sort of discussion culture.“ When people talk about the future, they lay out their personal options and assumptions. Those are shaped less by the work and more by how each person was shaped in the past.

Laying those assumptions out in the open is something teams rarely do on a regular basis. The value comes from discussing them without emotion. The question is not whether a colleague’s view of the future matches your own, but how to look at it objectively.

A better leader for the future

Asked if she had anything else to share, Hasmeet summed up the experience in one line: „I think I am a better leader in terms of steering the future of the company.“ She added that she enjoyed the work and learned a lot, and closed by thanking the team „for the fun work we did together.“

For leaders planning their own futures work, her story points to three lessons:

  • Assume your team holds different pictures of the future, even within a shared framework.
  • Look for diversity of thought, not only diversity of background.
  • Make assumptions explicit, then discuss them objectively rather than emotionally.

Watch the full video here:

Our Collaboration with MANN+HUMMEL: In Conversation with Kurk Wilks

The futurewise company has worked with MANN+HUMMEL on scenario planning and strategic foresight. The managing board wanted to build a new capability across the company.

We sat down with Kurk Wilks, CEO of MANN+HUMMEL, to hear what has changed. His answer was clear: the company has stopped trying to predict the future and started preparing for various scenarios.

“As our chairman and the managing board thought about how to help this organization build this muscle on scenario planning, we really appreciated the work you’re doing.”

When predictable markets stop being predictable

For a long time, MANN+HUMMEL could see its future coming. In its traditional markets, especially transportation, customers worked within a stable framework, and close relationships made demand easy to read.

“The customers had a pretty consistent framework of what they would build. We had good intimate relationships with them. And as a result, we could predict what opportunities came from those futures.”

That certainty has gone. Wilks describes customer preferences shifting, new customers and competitors entering the market and displacing others, and disruption on the geopolitical front.

“In some of our markets that were pretty static and predictable, in certain segments, this has changed.”

These are new topics for the company, he says, and they have forced it to become more flexible and agile in how it responds.

From “what will happen” to “what could happen”

The biggest change Wilks names is a change of question. Instead of betting on a single forecast, MANN+HUMMEL’s leadership now maps a range of possible futures and asks whether the company is ready for each.

“It has given us a different methodology in terms of how to see the future: less trying to predict an absolute outcome, but more looking at signals of what could be.”

He is candid about the old habit. The company was, in his words, probably optimistic about knowing what would happen. In a world with this much change, that no longer holds.

“We have to start to ask the question of what could happen. Now, it doesn’t provide the excuse. It really just puts us into a more robust view of a scenario, from the most optimistic to the most pessimistic.”

The scenarios help teams spot early signals that already exist today, but that the organisation was never trained to notice. Many of those signals used to arrive for free, through customers and stable markets. Now the company has to go looking, using its own intelligence and different approaches.

“To determine what are the signals that we probably could see now if we were looking, but maybe aren’t what our muscles are trained to see. And this is really the work I’ve appreciated.”

Wilks applies this thinking to each of MANN+HUMMEL’s segments. The aim, as he puts it, is to find a common thread across varying scenarios.

Practical, not theoretical

Foresight work can sound abstract. Wilks says his teams experienced the opposite, and they told him so more than once.

“Of course there’s some theory behind it. But our teams have told us repeatedly, as they’ve gone through this project with you, it’s very practical in terms of its application to the real world we live in, in our business, in the markets that we serve.”

In practice, MANN+HUMMEL’s leadership teams worked through exercises such as futures wheels, exploring potential anomalies and the signals that would point to them. That work now feeds directly into today’s decisions.

“It’s really helped us then to determine, more current time, what adjustments we should be making now to make sure, again, we stay agile, flexible and resilient.”

A new muscle

Wilks returns to one image throughout the interview: a muscle the organisation did not have before and is now building. For the futurewise company, that is the goal of every engagement. Not a report on the shelf, but a lasting capability to see change early and act on it.

“We’ve really appreciated the new muscles you’ve helped us build.”

We thank Kurk Wilks and the MANN+HUMMEL teams for their openness and their trust.

Watch the full video here:

Foresight: Bedeutung, Methoden und Nutzen einfach erklärt

Foresight begegnet einem heute in Stellenanzeigen, Strategiepapieren und Innovationsabteilungen. Doch was steckt hinter dem Begriff? Dieser Artikel erklärt die Bedeutung von Foresight, grenzt ihn von Prognose und Trendforschung ab und zeigt, mit welchen Methoden Organisationen vorausschauend arbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Foresight bedeutet wörtlich Weitsicht oder Vorausschau.
  • Als Fachbegriff steht es für die systematische Auseinandersetzung mit mehreren möglichen Zukünften.
  • Ziel ist nicht die richtige Vorhersage, sondern die bessere Entscheidung heute.
  • Zentrale Methoden: Horizon Scanning, STEEP-Analyse, Szenariotechnik, Delphi, Backcasting, Roadmapping.

Was bedeutet Foresight?

Foresight stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Weitsicht, Voraussicht oder Vorausschau. Das Gegenstück ist hindsight, also die Rückschau im Nachhinein.

Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff meist nicht übersetzt, weil er inzwischen als Fachbegriff etabliert ist. Gemeint ist dann kein persönliches Talent, sondern ein strukturiertes Vorgehen:

Kurzdefinition: Foresight ist die systematische Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften, um daraus heute bessere Entscheidungen abzuleiten.

Entscheidend an dieser Definition sind zwei Punkte. Erstens der Plural: Foresight fragt nicht nach der Zukunft, sondern nach mehreren denkbaren Entwicklungen. Zweitens der Gegenwartsbezug. Ziel ist nicht, die Zukunft korrekt vorherzusagen, sondern die eigene Handlungsfähigkeit zu erhöhen.

Wortherkunft und Verbreitung

Das Wort setzt sich zusammen aus fore (voraus) und sight (Sicht) und ist im Englischen seit dem Mittelalter belegt. Als Fachbegriff verbreitete es sich ab den 1970er Jahren, als Japan begann, regelmäßig nationale Delphi-Studien zu Technologieentwicklungen durchzuführen. In den 1990er Jahren folgten staatliche Foresight-Programme in Großbritannien, Deutschland und auf EU-Ebene. Seither hat sich der Ansatz von der Technologiepolitik in Unternehmen, NGOs und Verwaltungen ausgebreitet.

Zwei Bedeutungsebenen

Je nach Kontext meint Foresight etwas anderes:

  • Alltagssprachlich beschreibt Foresight eine Eigenschaft von Menschen. Wer Foresight besitzt, denkt voraus, erkennt Konsequenzen früh und trifft entsprechend Vorkehrungen.
  • Fachlich bezeichnet Foresight eine Disziplin mit eigenen Methoden, Rollen und Prozessen. Sie ist Teil der Zukunftsforschung und wird je nach Anwendungsfeld näher bestimmt: Strategic Foresight, Corporate Foresight, Technology Foresight oder Policy Foresight.

Foresight, Prognose und Trendforschung im Vergleich

Die Begriffe werden häufig vermischt, meinen aber Unterschiedliches.

AnsatzLeitfrageZeithorizontErgebnis
Prognose / ForecastingWas wird am wahrscheinlichsten eintreten?kurz- bis mittelfristigeine Zahl, ein Wert, ein Korridor
TrendforschungWelche Entwicklungen sind bereits sichtbar?laufendbeschriebene Trends und Muster
ForesightWas könnte alles eintreten und was bedeutet das für uns?mittel- bis langfristigmehrere Zukunftsbilder plus Handlungsoptionen
VisionWelche Zukunft wollen wir erreichen?langfristigein angestrebtes Zielbild
Foresight im Vergleich zu Forecasting, Trendforschung und Vision.

Eine Absatzprognose für das kommende Quartal ist Forecasting. Die Frage, wie das eigene Geschäftsmodell in zehn Jahren unter vier sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen aussehen müsste, ist Foresight.

Strategic Foresight und Corporate Foresight

Strategic Foresight verbindet Zukunftsarbeit direkt mit der Strategieentwicklung. Die Erkenntnisse fließen in Portfolioentscheidungen, Investitionen und Risikomanagement ein, statt in einer Studie zu enden.

Corporate Foresight bezeichnet die dauerhafte Verankerung dieser Arbeit im Unternehmen, etwa durch ein eigenes Team, ein Trendradar oder feste Formate im Führungskreis.

Studien zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Organisationen, die Umfeldveränderungen früh erfassen und intern anschlussfähig aufbereiten, reagieren schneller auf Marktbrüche als Wettbewerber ohne solche Strukturen.

Warum Foresight an Bedeutung gewinnt

Mehrere Entwicklungen erhöhen den Bedarf an vorausschauendem Arbeiten:

  • Kürzere Innovationszyklen, besonders durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung
  • Regulatorische Dynamik, etwa bei Nachhaltigkeit, Lieferketten und Datenschutz
  • Geopolitische Unsicherheit mit direkten Folgen für Beschaffung und Absatzmärkte
  • Demografischer Wandel und veränderte Erwartungen an Arbeit
  • Klimawandel mit physischen und transitorischen Risiken

In solchen Umfeldern verliert die Fortschreibung der Vergangenheit an Aussagekraft. Genau dort setzt Foresight an.

Die wichtigsten Foresight-Methoden

Horizon Scanning

Systematisches Beobachten von Signalen aus Wissenschaft, Politik, Technologie und Gesellschaft. Ziel ist es, schwache Signale zu erfassen, bevor sie zum Trend werden.

STEEP-Analyse

Strukturierung des Umfelds nach den Dimensionen Society, Technology, Economy, Ecology und Politics. Sie verhindert, dass die Analyse auf die eigene Branche verengt wird.

Szenariotechnik

Die bekannteste Foresight-Methode. Aus den zentralen Unsicherheiten werden meist drei bis vier in sich stimmige Zukunftsbilder entwickelt, die anschließend gegen die eigene Strategie getestet werden.

Delphi-Befragung

Mehrstufige, anonyme Expertenbefragung. Nach jeder Runde erhalten die Teilnehmenden die aggregierten Ergebnisse und können ihre Einschätzung überdenken.

Wild Cards und Schwarze Schwäne

Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit und großer Wirkung. Sie werden bewusst durchgespielt, um blinde Flecken sichtbar zu machen.

Backcasting

Der Weg führt vom Zielbild rückwärts in die Gegenwart. Die Frage lautet: Was müsste bis wann geschehen sein, damit dieser Zustand eintritt?

Roadmapping

Übersetzt Zukunftsbilder in konkrete Meilensteine für Technologie, Produkt und Kompetenzaufbau.

Wie ein Foresight-Prozess abläuft

  1. Rahmen setzen. Entscheidungsfrage, Zeithorizont und Betrachtungsfeld festlegen.
  2. Scannen. Signale, Daten und Expertenwissen sammeln.
  3. Analysieren. Treiber und Unsicherheiten identifizieren und bewerten.
  4. Zukünfte entwerfen. Szenarien oder Zukunftsbilder ausarbeiten.
  5. Ableiten. Strategische Optionen, Frühindikatoren und nächste Schritte definieren.

Der fünfte Schritt entscheidet über den Nutzen. Ohne Anbindung an reale Entscheidungen bleibt Foresight ein Workshop-Erlebnis.

Typische Fehler

  • Foresight als Vorhersage missverstehen und am Ende nur ein Szenario weiterverfolgen
  • Zu kurzer Zeithorizont, der die Analyse auf bestehende Planungen zusammenschrumpfen lässt
  • Ausschließlich interne Perspektiven einbeziehen
  • Ergebnisse dokumentieren, aber keine Verantwortlichkeiten und Frühindikatoren festlegen
  • Den Prozess einmalig durchführen statt regelmäßig zu aktualisieren

Häufige Fragen zur Bedeutung von Foresight

Was bedeutet Foresight auf Deutsch?

Foresight bedeutet Weitsicht, Voraussicht oder Vorausschau. Als Fachbegriff steht es für die systematische Beschäftigung mit möglichen Zukünften.

Was ist der Unterschied zwischen Foresight und Forecasting?

Forecasting berechnet die wahrscheinlichste Entwicklung einer Größe. Foresight arbeitet mit mehreren möglichen Zukünften und fragt nach den Konsequenzen für das eigene Handeln.

Ist Foresight dasselbe wie Zukunftsforschung?

Zukunftsforschung ist der übergeordnete Begriff für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Zukunft. Foresight bezeichnet die anwendungsorientierte Praxis innerhalb dieses Feldes.

Was macht ein Foresight Manager?

Er beobachtet das Unternehmensumfeld, moderiert Szenario- und Strategieprozesse, pflegt Trendradare und übersetzt Erkenntnisse in Empfehlungen für die Führungsebene.

Für welche Organisationen lohnt sich Foresight?

Für alle mit langen Investitionszyklen, hoher Regulierungsdichte oder schnellem technologischem Wandel. Kleinere Organisationen können bereits mit einem schlanken Trendradar und einem jährlichen Szenario-Workshop starten.

Fazit

Die Bedeutung von Foresight lässt sich auf eine Formel bringen: nicht die Zukunft vorhersagen, sondern auf mehrere Zukünfte vorbereitet sein. Wer Umfeldsignale strukturiert erfasst, in Szenarien übersetzt und daraus überprüfbare Handlungsoptionen ableitet, verschafft sich Reaktionszeit. Genau darin liegt der praktische Wert dieser Disziplin.

Die besten Foresight-Methoden für Unternehmen

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar – aber sie lässt sich vorausschauend gestalten. Gerade für KMU, Hidden Champions und international tätige Konzerne ist es entscheidend, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Die Futurewise Company arbeitet dafür mit bewährten und innovativen Methoden der strategischen Zukunftsforschung. Im Zentrum steht stets die Frage: Wie werden aus heutigen Signalen, Trends und Unsicherheiten tragfähige Entscheidungen für morgen?

Welche Methode dabei sinnvoll ist, hängt von der strategischen Fragestellung ab: Geht es um neue Wachstumsmärkte, technologische Umbrüche, die Zukunft eines Geschäftsmodells oder die langfristige Ausrichtung eines gesamten Unternehmens? Hier finden Sie einen Überblick über die Foresight-Methoden, mit denen wir bei der Futurewise Company regelmäßig arbeiten.

Delphi-Methode

Was ist die Delphi-Methode?

Delphi ist eine qualitative Methode der Zukunftsforschung. In einem mehrstufigen Verfahren werden Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen systematisch zu möglichen Zukunftsentwicklungen befragt. Die Methode wurde vom RAND Think Tank entwickelt und trägt den Namen des antiken Orakels von Delphi.

Im ersten Schritt führen wir Tiefeninterviews mit einem sorgfältig ausgewählten Panel von meist 15 bis 35 Expert:innen. Ihre Aussagen verdichten wir zu Hypothesen, die in einer zweiten Runde anonymisiert bewertet und kommentiert werden. So entsteht ein fundiertes Bild möglicher Entwicklungen – einschließlich abweichender Einschätzungen, blinder Flecken und strategisch relevanter Unsicherheiten.

Wofür eignet sich Delphi?

  • Zur Erweiterung der eigenen Perspektive über Branchen- und Unternehmensgrenzen hinweg
  • Zur Bewertung von Trends, Technologien und zukünftigen Marktveränderungen
  • Zur strategischen Orientierung bei hoher Unsicherheit

Aus der Praxis

Wir nutzen die Delphi-Methode, wenn Geschäftsführungen und Führungsteams ein strategisches Thema tiefer durchdringen möchten: Wo liegen künftige Wachstumsfelder? Wie verändern sich Kundenanforderungen, Wertschöpfungsketten oder regulatorische Rahmenbedingungen? Und welche Risiken werden im heutigen Tagesgeschäft noch unterschätzt?

Dafür sprechen wir beispielsweise mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Politik, bestehenden oder potenziellen Kunden, Branchenexpert:innen, Start-ups und anderen Unternehmen. Für einen Hidden Champion kann es darum gehen, die Zukunft einer hochspezialisierten Technologie zu bewerten. Ein KMU möchte vielleicht herausfinden, welche neuen Kundengruppen mit den vorhandenen Kompetenzen erschlossen werden können. Auf Konzernebene kann Delphi helfen, unterschiedliche Perspektiven auf ein Zukunftsthema systematisch zusammenzuführen. Die wertvollsten Erkenntnisse finden sich dabei häufig nicht in Schlagzeilen oder Studien, sondern entstehen im direkten Austausch mit Menschen, die an technologischen, politischen oder gesellschaftlichen Veränderungen arbeiten.

Szenario-Analyse

Was ist die Szenario-Analyse?

Szenarien sind narrative, plausible Zukunftsbilder, die auf Annahmen, Treibern und zentralen Unsicherheiten basieren. Sie helfen Unternehmen, mehrere mögliche Zukunftspfade zu verstehen, anstatt ihre Strategie ausschließlich auf eine erwartete Entwicklung auszurichten.

Die unter anderem von Herman Kahn geprägte und durch Shell bekannt gewordene Methode ermöglicht es, unterschiedliche Entwicklungen und ihre Konsequenzen für Märkte, Geschäftsmodelle, Investitionen und Organisationen systematisch durchzuspielen.

Wofür eignen sich Szenarien?

  • Zur Entwicklung robuster strategischer Handlungsoptionen
  • Zur Vorbereitung auf Unsicherheit und disruptive Veränderungen
  • Zur gemeinsamen Diskussion komplexer Zukunftsbilder in Führungsteams

Aus der Praxis

Es gibt Dutzende Methoden, um Szenarien zu entwickeln. Im Video unten werden drei davon kurz erklärt. Kompakte Ansätze wie die 2×2-Matrix eignen sich, um eine konkrete strategische Frage effizient aus verschiedenen Richtungen zu beleuchten: Was passiert, wenn die Kaufkraft eines zentralen Kundensegments wächst – und was, wenn sie stagniert? Was, wenn die Nachfrage nach einer neuen Technologie eine Nische bleibt – und was, wenn daraus ein Massenmarkt wird?

Für inhabergeführte KMU schafft dies eine strukturierte Grundlage für wichtige Investitionsentscheidungen. Hidden Champions können prüfen, wie robust ihre Spezialisierung gegenüber technologischen oder geopolitischen Veränderungen ist. Konzernleitungen nutzen umfassendere Szenarien beispielsweise, um Portfolios, Regionen oder Geschäftsbereiche unter unterschiedlichen Zukunftsbedingungen zu bewerten. Besonders in kontroversen Strategiediskussionen helfen Szenarien dabei, Abstand von persönlichen Überzeugungen zu gewinnen und mehrere plausible Entwicklungen möglichst sachlich zu betrachten.

Backcasting

Was ist Backcasting?

Backcasting beginnt nicht in der Gegenwart, sondern in einer wünschenswerten Zukunft. Von einem klaren Zukunftsbild aus werden die notwendigen Schritte systematisch bis in die Gegenwart zurückgedacht. Das eröffnet neue Perspektiven und verhindert, dass langfristige Strategien lediglich zu einer Fortschreibung des heutigen Geschäfts werden.

Gemeinsam mit Geschäftsführungen und Führungsteams entwickeln wir ein konkretes Zukunftsbild und leiten daraus kurz-, mittel- und langfristige Entscheidungen, Meilensteine und Verantwortlichkeiten ab.

Wofür eignet sich Backcasting?

  • Zur Entwicklung ambitionierter und zugleich umsetzbarer Strategien
  • Zur Überwindung kurzfristiger und rein reaktiver Planung
  • Zur Ausrichtung von Innovations-, Wachstums- und Transformationsprozessen

Aus der Praxis

Über Zukunft zu sprechen, erzeugt meist viele gute Ideen. Im operativen Alltag fehlen jedoch schnell Zeit, Ressourcen und klare Zuständigkeiten für langfristige Themen. Backcasting schafft hier Verbindlichkeit: Wenn ein Unternehmen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Zukunftsziel erreichen will, welche Voraussetzungen müssen dann drei, fünf oder zehn Jahre vorher geschaffen sein?

Für KMU übersetzt die Methode große Ambitionen in realistische Schritte, die zu den verfügbaren Ressourcen passen. Hidden Champions können damit frühzeitig Kompetenzen, Partnerschaften und Technologien aufbauen, die ihre Marktposition langfristig sichern. In Konzernen hilft Backcasting, ein gemeinsames Zukunftsbild mit konkreten Transformationspfaden für Geschäftsbereiche, Funktionen und Regionen zu verbinden.

Futures Triangle

Was ist das Futures Triangle?

Das von Sohail Inayatullah entwickelte Futures Triangle analysiert drei Kräfte, die jede Zukunft beeinflussen:

  • Push: Treiber und Veränderungen der Gegenwart
  • Pull: attraktive Zukunftsbilder und gemeinsame Ambitionen
  • Weight: bremsende Strukturen, Erfahrungen und Denkmuster aus der Vergangenheit

Die Methode macht sichtbar, in welchem Spannungsfeld sich eine strategische Entscheidung bewegt – und warum eine Veränderung trotz guter Argumente möglicherweise nicht vorankommt.

Wofür eignet sich das Futures Triangle?

  • Zur Analyse widersprüchlicher Zukunftsanforderungen
  • Zur strategischen Priorisierung
  • Zur Reflexion kultureller, struktureller und historischer Blockaden

Aus der Praxis

„Dieses Thema haben wir vor drei Jahren schon einmal diskutiert. Damals hat es nicht funktioniert – deshalb fassen wir es heute nicht mehr an.“ Solche Sätze begegnen uns in Unternehmen jeder Größe. Das Futures Triangle hilft, dahinterliegende Erfahrungen und Glaubenssätze sichtbar zu machen und zu prüfen, ob sie unter veränderten Bedingungen noch gültig sind.

In Familienunternehmen und KMU können etwa gewachsene Entscheidungswege oder knappe Ressourcen eine Zukunftsinitiative bremsen. Bei Hidden Champions steht mitunter die bisher sehr erfolgreiche Spezialisierung einer notwendigen Neuausrichtung im Weg. In Konzernen können Strukturen, Zielsysteme oder frühere Transformationsprogramme verhindern, dass ein überzeugendes Zukunftsbild Wirkung entfaltet. Gleichzeitig hilft die Methode, gehypte Trends kritisch einzuordnen: Handelt es sich um einen kurzfristigen Sog – oder um eine Entwicklung, auf die das Unternehmen strategisch reagieren sollte?

Futures Wheel

Was ist ein Futures Wheel?

Das von Jerome C. Glenn entwickelte Futures Wheel ist ein visuelles Denkwerkzeug, mit dem direkte und indirekte Folgen eines Ereignisses, Trends oder einer strategischen Entscheidung systematisch erfasst werden.

Im Zentrum steht ein Impuls, beispielsweise eine technologische Innovation, eine regulatorische Veränderung oder ein neues Kundenverhalten. Davon ausgehend betrachten wir in mehreren Ringen Auswirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung.

Wofür eignet sich das Futures Wheel?

  • Zur systemischen Analyse neuer Entwicklungen
  • Zur Einbindung unterschiedlicher Funktionen und Führungsebenen
  • Zur frühzeitigen Identifikation von Chancen, Risiken und unbeabsichtigten Folgen

Aus der Praxis

Die erste Auswirkung eines Trends ist meist schnell benannt: KI wird beispielsweise Teile der Arbeit von Grafikdesigner:innen übernehmen. Für strategische Entscheidungen reicht diese Aussage jedoch nicht aus. Entscheidend ist, was danach passiert: Können Designer:innen künftig zehn statt eines Auftrags bearbeiten? Erwarten Kunden dadurch niedrigere Preise und kürzere Lieferzeiten? Werden Kreative zu Manager:innen paralleler KI-Prozesse? Und welche Folgen hat das für Qualifikationen, Führung, Arbeitsbelastung und die Organisation von Agenturen?

Ein Futures Wheel hilft KMU dabei, die betrieblichen Folgen eines Trends frühzeitig und mit überschaubarem Aufwand zu erfassen. Hidden Champions können Auswirkungen auf Produkte, Kunden, Kompetenzen und Lieferketten miteinander verbinden. Konzernleitungen nutzen die Methode, um Wechselwirkungen zwischen Geschäftsbereichen, Märkten und Funktionen sichtbar zu machen. So wird aus einem abstrakten Trend eine konkrete strategische Fragestellung.

Trendradar

Was ist ein Trendradar?

Ein Trendradar ist ein strukturiertes Analyseinstrument, das relevante Trends, Signale und mögliche Umbrüche systematisch erfasst, bewertet und für die Strategiearbeit aufbereitet. Die Entwicklungen werden beispielsweise nach Relevanz, Zeithorizont und Unsicherheit eingeordnet und übersichtlich visualisiert.

Wir entwickeln Trendradare für Branchen, Technologien und unternehmensspezifische Fragestellungen – etwa zur Zukunft von Arbeit, Industrie, Mobilität oder Nachhaltigkeit. Entscheidend ist dabei nicht die größtmögliche Sammlung von Trends, sondern ihre Bedeutung für das jeweilige Unternehmen.

Wofür eignet sich ein Trendradar?

  • Zur strategischen Früherkennung
  • Zur Identifikation und Priorisierung neuer Innovations- und Wachstumsfelder
  • Zur verständlichen Kommunikation von Zukunftswissen im Unternehmen

Aus der Praxis

Für KMU schafft ein fokussiertes Trendradar Orientierung, ohne zusätzliche Informationsflut zu erzeugen. Hidden Champions können damit Entwicklungen außerhalb ihres angestammten Marktes beobachten, die ihre Technologieführerschaft oder Kundenzugänge verändern könnten. In Konzernen schafft ein gemeinsames Radar eine belastbare Grundlage, um Zukunftsthemen über Geschäftsbereiche hinweg zu bewerten, Verantwortlichkeiten festzulegen und strategische Prioritäten regelmäßig zu überprüfen.

Sie möchten herausfinden, welche Foresight-Methode zu Ihrer strategischen Fragestellung und Ihrer Organisation passt? Die Futurewise Company unterstützt KMU, Hidden Champions und Konzernleitungen bei der Auswahl, Durchführung und Übersetzung der Ergebnisse in konkrete strategische Entscheidungen.

What Shell Knew Before the Crisis Hit

When the oil crisis struck in 1973, most companies were caught flat-footed. Shell wasn’t. They’d already spent two years thinking through how they’d need to adapt.

Why? Because back in 1971, two senior Shell managers dared to ask a simple question: what would happen if oil prices swung dramatically?*

The scenarios they built weren’t great forecasts. Their price estimates were set far too low. But it didn’t matter — and that’s the whole point. Whether oil tripled or quadrupled, the consequences rhymed: a wobbling economy, social tension and fuel theft, shifting mobility paradigms (remember car-free Sundays?), a push toward diversified supply chains, and new pricing policies.

Shell had already reasoned through those consequences. So when the shock came, they weren’t panicking, but rather already in the execution mode.

Thinking in scenarios

Thinking in scenarios is far more than playing out the single most likely outcome. It means:

  • Reasoning through many possible futures, not just one.
  • Continuously adapting your strategy, because you’ve learned to watch for the signals that one future or another is emerging.
  • A huge cultural shift — building an organization that welcomes people asking challenging questions, rather than punishing it.

That last point is the hard one. Asking „What if a pandemic shuts down the country?“, „What if kerosene is no longer available?“, or „What if the Rhine becomes unnavigable?“ isn’t always welcome. It requires leaders willing to engage seriously with divergent futures — and, in doing so, to admit they don’t have 100% certainty about the years ahead.

That admission is uncomfortable. It’s also exactly what let Shell move while everyone else was still reacting.

*How it all played out at Shell is told by Dr. Henk Alkema in a video: https://www.youtube.com/watch?v=m9WZQU8_HnA

Mit Foresight zur Strategie: So entwickeln Sie zukunftsfeste Pläne

Wenn die alte Strategie nicht mehr trägt

Es gibt einen Moment, den viele Führungsteams gerade erleben: Die Strategie, die noch vor zwei Jahren solide wirkte, fühlt sich plötzlich brüchig an. Die Welt hat sich unter ihr verschoben. Geopolitik, Technologie, Märkte und gesellschaftliche Erwartungen verändern sich schneller und widersprüchlicher, als klassische Planung es abbilden kann.

Häufig steht am Ende gar keine falsche Entscheidung, sondern überhaupt keine. Wenn zu viele Entwicklungen parallel laufen und die Signale aus Markt, Politik und Technologie sich widersprechen, wächst die Versuchung, lieber abzuwarten, abzusichern oder ganz zu vertagen. Strategie wird zur Hängepartie.

Robustheit entsteht aus besserem Umgang mit Unsicherheit

Die naheliegende Reaktion – noch genauere Forecasts, noch detailliertere Pläne – greift zu kurz. Ein Forecast verlängert die Gegenwart in die Zukunft. Er funktioniert, solange die Annahmen stabil bleiben. Heute tun sie das nicht mehr.

Zukunftsfeste Strategien zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie die Zukunft korrekt vorhersagen. Sie machen handlungsfähig in mehreren möglichen Zukünften gleichzeitig. Das ist der Kern von Leadership under Uncertainty: nicht die eine Zukunft zu erraten, sondern Entscheidungen zu treffen, die über verschiedene Entwicklungen hinweg tragfähig sind.

Denken in Szenarien

Hier setzt Szenarienarbeit an. Statt über einzelne Trends oder Bauchgefühle zu diskutieren, arbeitet das Führungsteam mit klar formulierten, plausiblen Zukunftsbildern. Unterschiedliche – auch widersprüchliche – Entwicklungen werden in einen konsistenten Rahmen gebracht und damit besprechbar.

Das schafft zweierlei. Zum einen einen gemeinsamen Referenzrahmen, der strategische Diskussionen versachlicht und implizite Annahmen offenlegt. Zum anderen, fast paradox, Fokus: Denkt man verschiedene Szenarien konsequent durch, zeigt sich häufig, dass sie zu ähnlichen Konsequenzen führen – und dieselben strategischen Entscheidungen erfordern. Dort entsteht Klarheit. Szenarien helfen, robuste Maßnahmen zu identifizieren, die in mehreren möglichen Zukünften sinnvoll bleiben.

Wie wir mit Executives arbeiten

Wir verstehen Szenarienarbeit als gemeinsamen Prozess über mehrere Monate, nicht als einmaligen Workshop. In dieser Zeit lernen Führungskräfte Denkweisen und Methoden aus Foresight und Futures Thinking kennen – und wenden sie unmittelbar auf die eigene Branche an.

Gemeinsam entwickeln wir Szenarien für Ihr Marktumfeld, durchdenken Markt, Technologie, Gesellschaft und Rahmenbedingungen systematisch und identifizieren szenarienübergreifende Muster, die unabhängig vom konkreten Zukunftsbild strategisch relevant sind. Am Ende steht kein Foliensatz, der in der Schublade verschwindet, sondern eine Denk- und Arbeitsweise, die im Team bleibt – und Szenarien, die Sie direkt als Grundlage für Ihre Strategie nutzen können.

Dabei ist uns wichtig, bestehende Initiativen und bereits geleistete Arbeit nicht zu ersetzen, sondern daran anzuschließen und sie weiterzuentwickeln. Wir holen Sie dort ab, wo Sie heute stehen.

Vom Reagieren zum vorausschauenden Entscheiden

Zukunftsfeste Strategie heißt nicht, alle Antworten zu haben. Sie heißt, die richtigen Fragen früh genug zu stellen – und ein Führungsteam zu haben, das gelernt hat, in Möglichkeiten statt in Gewissheiten zu denken. Diese Fähigkeit macht den Unterschied zwischen einer Strategie, die beim nächsten Bruch kippt, und einer, die trägt.

Wenn die Führungsrunde nur teuer nickt: Group Think an der Unternehmensspitze

Jan David Ott ist Facilitator for Longterm Strategic Decision-Making & Change bei der Futurewise Company. Auf seinem LinkedIn-Account nimmt er uns mit bei Themen zu Change Management, Leadership und Foresight. Hier veröffentlichen wir Auszüge seiner Erfahrungen.

Wie viel Geld investieren Sie in hochkarätig besetzte Führungsrunden — und am Ende hätte das Leittier genauso gut allein entscheiden können?

Das ist keine rhetorische Frage. Es gibt Phänomene in Gruppen, die wissenschaftlich gut belegt sind. Doch in Top-Führungsrunden mit Highperformer*innen kommen sie vermeintlich nicht vor. Das passt nicht zum Selbstbild. Da sollen also Extraversion, Gender und Muttersprache keinen Einfluss darauf haben, wer gehört wird und wer den Ton angibt. Schließlich werde ja „gut“ moderiert.

Was ausgeblendet wird, wirkt trotzdem

Besonders gefährlich wird das beim Group Think. So sehr es das Selbstbild kränken mag — gerade in Unternehmensspitzen ist dieses Phänomen aktuell besonders relevant.

Ungeachtet vorheriger Einzelgespräche gilt: Einmal um den Tisch versammelt, möchte in Unternehmenskrisen niemand einer Lösung im Weg stehen. Alle wollen sich committen, alle an einem Strang ziehen. Doch genau dieser Zusammenhalt tötet die kritische Distanz.

Die „richtige“ Lösung liegt dabei keineswegs auf der Hand. Aber wenn links und rechts alle vermeintlich zustimmen und mitmachen, überzeugt es auch mich. Meine Fragen würden da jetzt nur wertvolle Zeit kosten — so der Reflex. Und so nickt eine teuer besetzte Runde sich durch eine Entscheidung, die niemand wirklich geprüft hat.

Den Bann brechen: ein Blick in die Zukunft

Dieser Bann lässt sich lösen — mit Diskussionen über die Zukunft in 10, 15 oder 20 Jahren. Denn hier versagen Erfahrung, Karrierepfad und Pay Grade als Orientierung. Niemand am Tisch kennt die Antwort.

Richtig moderiert, verliert der Tongeber seinen Führungsstab. So entstehen seltene, wertvolle Momente in Diskussionen unter Executives, in denen tatsächlich Perspektivenvielfalt zählt — und weniger Macht und Beziehungen.

In meiner Praxis stelle ich daher eine Frage: Was sollten wir für unsere aktuelle Entscheidung über die Welt in 10 Jahren wissen? Auf Führungsteams wirkt sie oft wie ein befreiender Jungbrunnen.

Und Ihre Runde?

Eine lohnende Frage zum Schluss: Wie immun ist gerade Ihre Führungsmannschaft gegenüber Group Think?

Wild Cards in Foresight and Future Planning

Remember the spring of 2020? For about six months, you couldn’t open a newspaper, a LinkedIn feed, or a quarterly earnings call without somebody, somewhere, calling the pandemic a „black swan event.“ Politicians used it to suggest that no reasonable government could have been expected to prepare for the thing that had, in fact, been war-gamed repeatedly by public health agencies for over a decade.

The phrase did a lot of work in those months, most of it apologetic. A black swan, in the way the term was thrown around, was something nobody could have seen coming, which conveniently meant that nobody could really be blamed for failing to see it coming. The trouble is that Nassim Nicholas Taleb, who popularized the idea, was almost immediately on television and in op-eds explaining that COVID-19 was not a black swan at all. Pandemics had been forecast. The warning signs were on the record. What was actually surprising wasn’t the event but the discovery, in real time, of how fragile the supply chains, the hospitals, and the political institutions turned out to be when the predictable thing finally happened.

That whole episode is a useful way into a much older idea from the world of strategic foresight, one that predates Taleb by a decade and a half and that, in some ways, captures what we were trying to describe more precisely than the black swan ever did. The idea is called the wild card.

A wild card is a future event with a low probability of occurring and a very high impact if it does. The definition sounds clinical, and it is, but the concept itself is older than most people realize. It was formalized in 1992 by the Copenhagen Institute for Futures Studies, working with BIPE Conseil and the Institute for the Future, and it entered wider circulation in 1997 through John L. Petersen’s book Out of the Blue – Wild Cards and Other Big Future Surprises. Petersen wasn’t claiming to predict the future. He was making a more interesting argument: that any serious planner had a professional obligation to spend at least some time staring at the unlikely corners of the distribution, rather than the comfortable middle where most strategy gets written.

Black swans and wild cards are close relatives. Wild cards live in the working vocabulary of foresight practitioners, who deliberately surface them in scenario exercises, stress tests, and strategy retreats; they are things you put on a whiteboard and argue about. Black swans, in Taleb’s stricter sense, are events that were essentially invisible beforehand and only look inevitable in retrospect.

What sits between them, and what foresight people spend most of their time worrying about, is the question of weak signals. Wild cards rarely arrive in complete silence. They tend to be preceded by fragments of information that look like noise at the time and only become meaningful in hindsight: an oddly worded paper in an obscure journal, a procurement contract in a country nobody is paying attention to, a small shift in the language used by a regulator, a cluster of unusual hospital admissions in a town that doesn’t normally make the news. The hard part is organizational: Most reporting structures inside companies and governments are designed to filter exactly this kind of signal out as irrelevant, because most of the time it is. The discipline of foresight is largely the discipline of building institutions that can hold onto the weird stuff a little longer than instinct suggests they should.

The Four Animals in the Foresight Bestiary

Snow Leopard

A known but underrated phenomenon: documented and visible to specialists, but camouflaged against the noise of more dramatic events and therefore systematically underweighted. The metaphor was developed by the Atlantic Council’s Scowcroft Center for its Global Foresight reports, named for the species‘ disruptive coat pattern that breaks up its outline against Himalayan terrain — the ghost of the mountains. (Some risk-management writers use white leopard for the same idea.)

Example: the vulnerability of submarine fibre-optic cables, which carry roughly 99 percent of intercontinental data and a significant share of global financial settlements. The concentration risk has been documented for years; it took incidents in the Red Sea, the Baltic, and the Taiwan Strait to bring it into mainstream view.

Black Elephant

A high-probability, high-impact event that is already documented and discussed by specialists, but that society chooses to treat as unlikely because acknowledging it would demand uncomfortable change. The term was coined in 2009 by disaster-relief consultant Vinay Gupta and popularized in 2014 by environmentalist Adam Sweidan through Thomas Friedman’s New York Times column. When the elephant finally arrives, it gets relabelled a black swan that nobody could have seen coming.

Example: anthropogenic climate change. The physics has been understood since Arrhenius’s 1896 calculations, the projection literature is consistent across IPCC cycles, and the response has nevertheless behaved as though the problem belongs to a future generation.

Black Jellyfish

A known, ostensibly normal phenomenon that escalates into systemic crisis through positive feedback — a small input that, amplified by interconnected systems, produces effects out of all proportion to its starting scale. The term comes from Ziauddin Sardar’s postnormal times theory and represents „unknown knowns“: phenomena we believe we understand but whose behaviour at scale surprises us.

Example: the 2013 shutdown of Sweden’s Oskarshamn nuclear plant, when Aurelia aurita blooms — driven by warming seas, ocean acidification, and overfishing of jellyfish predators — clogged the cooling intakes and forced a 1,400-megawatt reactor offline.

Grey Rhino

A high-probability, high-impact threat that is large, visible, slow-moving, and consistently ignored despite a complete absence of any information deficit. Introduced by policy analyst Michele Wucker in her 2013 World Economic Forum address and developed in her 2016 book The Gray Rhino. Wucker’s point, against the prevailing fashion for black swan vocabulary, is that most major crises are not surprises at all; the interesting question is why the institutions in their path failed to move.

Example: the 2008 subprime crisis. Shiller’s Irrational Exuberance documented the housing bubble in 2005, the Bank for International Settlements flagged systemic risk in 2006 and 2007, and the FBI warned of a mortgage-fraud „epidemic“ as early as 2004. The rhino was visible from a considerable distance.


The point of wild card thinking isn’t prediction; it’s the cultivation of adaptive capacity, in the same sense biologists and resilience engineers use the term. An organization that has seriously rehearsed the loss of its largest supplier tends to handle the loss of its second-largest one with more composure, even though the specific scenario was wrong, because the underlying flexibility transfers. Beyond that, sitting with the improbable for any length of time tends to bring back into the strategy conversation a set of unfashionable virtues — redundancy, optionality, slack, balance sheet conservatism — that long periods of stability quietly erode, and whose absence is universally regretted in the first quarter after stability ends.

So what does all of this leave us with, after the dust of the past few years has settled and „black swan“ has gone the way of most overused phrases? Mostly a sharper vocabulary, and a slightly more honest one. The wild cards, the elephants, the jellyfish, the leopards, the rhinos — these aren’t predictions and were never meant to be. They are a way of naming the different ways the future tends to escape the assumptions we’ve built our planning on, and a reminder that when the next big surprise lands, the interesting question won’t be whether it was foreseeable. It almost always was, by somebody. The interesting question will be whether anyone in the room had been paying attention.

Zerstöre die Skulptur eines anderen – was diese Übung mit Change und Leadership zu tun hat.

Jan David Ott ist Facilitator for Longterm Strategic Decision-Making & Change bei der Futurewise Company. Auf seinem LinkedIn-Account nimmt er uns mit bei Themen zu Change Management, Leadership und Foresight. Hier veröffentlichen wir Auszüge seiner Erfahrungen.

Wir standen im Kreis – jede*r mit einer selbst gemachten Skulptur neben sich, die zeigte, wofür wir als Leader*innen stehen. Skulptur für Skulptur wurde vorgestellt. Nähe entstand. Eine wertebasierte Zugehörigkeit.

Dann die nächste Anweisung: Zerstöre die Skulptur eines anderen.

Auch nach Jahren denke ich daran, was diese Übung mit Leadership zu tun hat. Zwei mögliche Ansätze scheinen mir heute besonders relevant.

Leadership bedeutet gar nicht so selten, zu widersprechen – gegen Vorgaben, gegen Parolen und gegen den Strom. Ich hätte also sagen können (sollen?): Da mache ich nicht mit. Unternehmer*innen tragen gesellschaftliche Verantwortung.

Und zugleich erfordert Leadership oft auch, Menschen etwas Vertrautes wegzunehmen. Den Status quo und das Selbstbild, in dem sie sich sicher fühlen. Stellen werden gestrichen. Betriebe verlagert.

Change Leadership verlangt dazu etwas Besonderes von Unternehmer*innen: eine Entschlossenheit, die nicht Kälte ist – sondern Klarheit in Ziel und Mittel.

Und genau da haben diese Übung und die Praxis oft ihren Haken.

Es klingt so simpel: Change ohne Richtung ist Verlust. Change mit einem überzeugenden Morgen ist Transformation.

Doch dieses Morgen liegt oft in der langfristigen Zukunft – in den Chancen der nächsten 10 bis 15 Jahre, die sich nur dann öffnen, wenn wir sie heute proaktiv angehen.

Daher frage ich Executives in meinem #FuturesSparring: Was bauen Sie gerade tatsächlich langfristig auf? Für wen und wozu?

Ohne eine Antwort darauf bleibt vieles andere am Ende nur kontinuierliches Krisen-Management.

Leadership, das den Namen verdient, macht #Zukunftsmusik.

Ich bin neugierig auf Ihre Erfahrungen.