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Tag: Zukunftsforschung

Foresight: Bedeutung, Methoden und Nutzen einfach erklärt

Foresight begegnet einem heute in Stellenanzeigen, Strategiepapieren und Innovationsabteilungen. Doch was steckt hinter dem Begriff? Dieser Artikel erklärt die Bedeutung von Foresight, grenzt ihn von Prognose und Trendforschung ab und zeigt, mit welchen Methoden Organisationen vorausschauend arbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Foresight bedeutet wörtlich Weitsicht oder Vorausschau.
  • Als Fachbegriff steht es für die systematische Auseinandersetzung mit mehreren möglichen Zukünften.
  • Ziel ist nicht die richtige Vorhersage, sondern die bessere Entscheidung heute.
  • Zentrale Methoden: Horizon Scanning, STEEP-Analyse, Szenariotechnik, Delphi, Backcasting, Roadmapping.

Was bedeutet Foresight?

Foresight stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Weitsicht, Voraussicht oder Vorausschau. Das Gegenstück ist hindsight, also die Rückschau im Nachhinein.

Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff meist nicht übersetzt, weil er inzwischen als Fachbegriff etabliert ist. Gemeint ist dann kein persönliches Talent, sondern ein strukturiertes Vorgehen:

Kurzdefinition: Foresight ist die systematische Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften, um daraus heute bessere Entscheidungen abzuleiten.

Entscheidend an dieser Definition sind zwei Punkte. Erstens der Plural: Foresight fragt nicht nach der Zukunft, sondern nach mehreren denkbaren Entwicklungen. Zweitens der Gegenwartsbezug. Ziel ist nicht, die Zukunft korrekt vorherzusagen, sondern die eigene Handlungsfähigkeit zu erhöhen.

Wortherkunft und Verbreitung

Das Wort setzt sich zusammen aus fore (voraus) und sight (Sicht) und ist im Englischen seit dem Mittelalter belegt. Als Fachbegriff verbreitete es sich ab den 1970er Jahren, als Japan begann, regelmäßig nationale Delphi-Studien zu Technologieentwicklungen durchzuführen. In den 1990er Jahren folgten staatliche Foresight-Programme in Großbritannien, Deutschland und auf EU-Ebene. Seither hat sich der Ansatz von der Technologiepolitik in Unternehmen, NGOs und Verwaltungen ausgebreitet.

Zwei Bedeutungsebenen

Je nach Kontext meint Foresight etwas anderes:

  • Alltagssprachlich beschreibt Foresight eine Eigenschaft von Menschen. Wer Foresight besitzt, denkt voraus, erkennt Konsequenzen früh und trifft entsprechend Vorkehrungen.
  • Fachlich bezeichnet Foresight eine Disziplin mit eigenen Methoden, Rollen und Prozessen. Sie ist Teil der Zukunftsforschung und wird je nach Anwendungsfeld näher bestimmt: Strategic Foresight, Corporate Foresight, Technology Foresight oder Policy Foresight.

Foresight, Prognose und Trendforschung im Vergleich

Die Begriffe werden häufig vermischt, meinen aber Unterschiedliches.

AnsatzLeitfrageZeithorizontErgebnis
Prognose / ForecastingWas wird am wahrscheinlichsten eintreten?kurz- bis mittelfristigeine Zahl, ein Wert, ein Korridor
TrendforschungWelche Entwicklungen sind bereits sichtbar?laufendbeschriebene Trends und Muster
ForesightWas könnte alles eintreten und was bedeutet das für uns?mittel- bis langfristigmehrere Zukunftsbilder plus Handlungsoptionen
VisionWelche Zukunft wollen wir erreichen?langfristigein angestrebtes Zielbild
Foresight im Vergleich zu Forecasting, Trendforschung und Vision.

Eine Absatzprognose für das kommende Quartal ist Forecasting. Die Frage, wie das eigene Geschäftsmodell in zehn Jahren unter vier sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen aussehen müsste, ist Foresight.

Strategic Foresight und Corporate Foresight

Strategic Foresight verbindet Zukunftsarbeit direkt mit der Strategieentwicklung. Die Erkenntnisse fließen in Portfolioentscheidungen, Investitionen und Risikomanagement ein, statt in einer Studie zu enden.

Corporate Foresight bezeichnet die dauerhafte Verankerung dieser Arbeit im Unternehmen, etwa durch ein eigenes Team, ein Trendradar oder feste Formate im Führungskreis.

Studien zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Organisationen, die Umfeldveränderungen früh erfassen und intern anschlussfähig aufbereiten, reagieren schneller auf Marktbrüche als Wettbewerber ohne solche Strukturen.

Warum Foresight an Bedeutung gewinnt

Mehrere Entwicklungen erhöhen den Bedarf an vorausschauendem Arbeiten:

  • Kürzere Innovationszyklen, besonders durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung
  • Regulatorische Dynamik, etwa bei Nachhaltigkeit, Lieferketten und Datenschutz
  • Geopolitische Unsicherheit mit direkten Folgen für Beschaffung und Absatzmärkte
  • Demografischer Wandel und veränderte Erwartungen an Arbeit
  • Klimawandel mit physischen und transitorischen Risiken

In solchen Umfeldern verliert die Fortschreibung der Vergangenheit an Aussagekraft. Genau dort setzt Foresight an.

Die wichtigsten Foresight-Methoden

Horizon Scanning

Systematisches Beobachten von Signalen aus Wissenschaft, Politik, Technologie und Gesellschaft. Ziel ist es, schwache Signale zu erfassen, bevor sie zum Trend werden.

STEEP-Analyse

Strukturierung des Umfelds nach den Dimensionen Society, Technology, Economy, Ecology und Politics. Sie verhindert, dass die Analyse auf die eigene Branche verengt wird.

Szenariotechnik

Die bekannteste Foresight-Methode. Aus den zentralen Unsicherheiten werden meist drei bis vier in sich stimmige Zukunftsbilder entwickelt, die anschließend gegen die eigene Strategie getestet werden.

Delphi-Befragung

Mehrstufige, anonyme Expertenbefragung. Nach jeder Runde erhalten die Teilnehmenden die aggregierten Ergebnisse und können ihre Einschätzung überdenken.

Wild Cards und Schwarze Schwäne

Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit und großer Wirkung. Sie werden bewusst durchgespielt, um blinde Flecken sichtbar zu machen.

Backcasting

Der Weg führt vom Zielbild rückwärts in die Gegenwart. Die Frage lautet: Was müsste bis wann geschehen sein, damit dieser Zustand eintritt?

Roadmapping

Übersetzt Zukunftsbilder in konkrete Meilensteine für Technologie, Produkt und Kompetenzaufbau.

Wie ein Foresight-Prozess abläuft

  1. Rahmen setzen. Entscheidungsfrage, Zeithorizont und Betrachtungsfeld festlegen.
  2. Scannen. Signale, Daten und Expertenwissen sammeln.
  3. Analysieren. Treiber und Unsicherheiten identifizieren und bewerten.
  4. Zukünfte entwerfen. Szenarien oder Zukunftsbilder ausarbeiten.
  5. Ableiten. Strategische Optionen, Frühindikatoren und nächste Schritte definieren.

Der fünfte Schritt entscheidet über den Nutzen. Ohne Anbindung an reale Entscheidungen bleibt Foresight ein Workshop-Erlebnis.

Typische Fehler

  • Foresight als Vorhersage missverstehen und am Ende nur ein Szenario weiterverfolgen
  • Zu kurzer Zeithorizont, der die Analyse auf bestehende Planungen zusammenschrumpfen lässt
  • Ausschließlich interne Perspektiven einbeziehen
  • Ergebnisse dokumentieren, aber keine Verantwortlichkeiten und Frühindikatoren festlegen
  • Den Prozess einmalig durchführen statt regelmäßig zu aktualisieren

Häufige Fragen zur Bedeutung von Foresight

Was bedeutet Foresight auf Deutsch?

Foresight bedeutet Weitsicht, Voraussicht oder Vorausschau. Als Fachbegriff steht es für die systematische Beschäftigung mit möglichen Zukünften.

Was ist der Unterschied zwischen Foresight und Forecasting?

Forecasting berechnet die wahrscheinlichste Entwicklung einer Größe. Foresight arbeitet mit mehreren möglichen Zukünften und fragt nach den Konsequenzen für das eigene Handeln.

Ist Foresight dasselbe wie Zukunftsforschung?

Zukunftsforschung ist der übergeordnete Begriff für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Zukunft. Foresight bezeichnet die anwendungsorientierte Praxis innerhalb dieses Feldes.

Was macht ein Foresight Manager?

Er beobachtet das Unternehmensumfeld, moderiert Szenario- und Strategieprozesse, pflegt Trendradare und übersetzt Erkenntnisse in Empfehlungen für die Führungsebene.

Für welche Organisationen lohnt sich Foresight?

Für alle mit langen Investitionszyklen, hoher Regulierungsdichte oder schnellem technologischem Wandel. Kleinere Organisationen können bereits mit einem schlanken Trendradar und einem jährlichen Szenario-Workshop starten.

Fazit

Die Bedeutung von Foresight lässt sich auf eine Formel bringen: nicht die Zukunft vorhersagen, sondern auf mehrere Zukünfte vorbereitet sein. Wer Umfeldsignale strukturiert erfasst, in Szenarien übersetzt und daraus überprüfbare Handlungsoptionen ableitet, verschafft sich Reaktionszeit. Genau darin liegt der praktische Wert dieser Disziplin.

Warum Szenariendenken essenziell ist - Carina Stöttner in Konstanz

Eine Methode aus den 1970er-Jahren erlebt gerade ihr Comeback. Carina Stöttner, CEO der Futurewise Company, erklärt, warum das kein Zufall ist – und was Szenarioarbeit wirklich verändert.

Die meisten Unternehmen planen mit genau einer Zukunft: der fortgeschriebenen Gegenwart. Umsatz plus X Prozent, Kosten minus Y, Marktanteil bleibt stabil. In dieser Logik steckt eine stille Annahme – dass das Morgen ein leicht verändertes Heute sein wird.

In stabilen Zeiten funktioniert das erstaunlich gut, sagt Carina Stöttner. In komplexen Zeiten wird es zum Risiko.

Genau hier setzt Szenariodenken an. Und die wichtigste Klarstellung kommt gleich zu Beginn: Szenarien sind keine Prognosen. Es geht nicht darum, richtig zu liegen. Es geht darum, auf mehrere Möglichkeiten vorbereitet zu sein.

Was Shell in den 70er-Jahren gelernt hat

Die vielleicht bekannteste Geschichte der Szenarioplanung beginnt Ende der 1960er-Jahre in der Planungsabteilung von Royal Dutch Shell. Ein paar Pioniere bekamen den Auftrag, sich mit einer damals wenig populären Möglichkeit zu beschäftigen: dass der Ölpreis steigen könnte.

Niemand bei Shell hat die Ölkrise in ihrer Schwere von 1973 vorhergesagt. Das ist, so Stöttner, der entscheidende Punkt.

Aber als sie eintrat, war sie für die Führungskräfte kein völlig unbekanntes Terrain. Sie hatten diese Welt gedanklich schon einmal betreten. Sie mussten nicht erst monatelang fassungslos sein, bevor sie handlungsfähig wurden. Während andere noch damit beschäftigt waren, das Geschehene überhaupt einzuordnen, traf Shell bereits Entscheidungen – und ging aus der Krise deutlich stärker hervor, als es hineingegangen war.

Für Carina Stöttner ist das bis heute die wichtigste Lektion der ganzen Methode:

Szenarien verändern nicht die Welt. Sie verändern die Landkarte, die Entscheider:innen im Kopf tragen.

Das eigentliche Produkt von Szenarioarbeit ist nicht das Dokument, das am Ende im Regal steht. Es ist das veränderte Denken der Menschen, die damit gearbeitet haben. Deshalb funktioniert es auch nicht, sich Szenarien einfach von außen einkaufen und präsentieren zu lassen. Wer nicht selbst durch den Prozess gegangen ist, findet den Weg nicht.

Warum unser Gehirn ein schlechter Zukunftsforscher ist

Wenn Szenarioarbeit so wirksam ist – warum tun wir uns dann so schwer damit?

Die Antwort liegt zu einem guten Teil in unserem Kopf. Unser Gehirn ist nicht darauf optimiert, über offene Zukünfte nachzudenken, erklärt Stöttner. Es ist darauf optimiert, schnell und energiesparend zu Entscheidungen zu kommen. Drei Verzerrungen stehen dabei besonders regelmäßig im Weg:

Wir denken Entwicklungen als Geraden. Exponentielles Wachstum, Kipppunkte und Sättigungskurven unterschätzen wir systematisch – erst zu lange zu wenig, dann zu spät zu viel.

Wir halten an der Normalität fest. Wenn eine Situation sich verändert, bleiben wir oft erstaunlich lange bei der Annahme, es werde schon alles beim Alten bleiben. Das ist keine Dummheit, sondern der Normalfall menschlicher Wahrnehmung unter Unsicherheit.

Der Negativitätsbias. Negative Erfahrungen wiegen schwerer als positive. Was wir kürzlich gelesen haben, was emotional aufgeladen ist, was in der eigenen Branche gerade alle diskutieren – das prägt unser Zukunftsbild stärker, als uns lieb ist.

Diese Verzerrungen sind keine Denkfehler im Sinne eines Defekts. Sie waren evolutionär sinnvoll: schnelle Urteile in einer weitgehend stabilen Umwelt. In einer komplexen Umwelt werden sie zur Schwachstelle. Und – auch das gehört zur unbequemen Wahrheit – man bekommt sie nicht dadurch weg, dass man sie kennt. Sondern nur durch Methode: durch einen Prozess, der einen zwingt, mehrere Zukünfte gleichzeitig ernst zu nehmen.

Was Szenarien konkret verändern

Was Organisationen aus guter Szenarioarbeit mitnehmen, ist selten ein fertiger Plan. Es ist eher dies:

Sprachfähigkeit. Teams bekommen Begriffe für Entwicklungen, die noch nicht sichtbar sind. Man kann nur besprechen, wofür man Worte hat.

Frühindikatoren. Wer die Szenarien kennt, weiß, worauf zu achten ist – und erkennt Bewegungen früher als der Wettbewerb.

Robuste Entscheidungen. Welche Schritte zahlen sich in allen Zukünften aus? Diese No-Regret-Moves sind oft das wertvollste Ergebnis des gesamten Prozesses.

Entkopplung von Wahrscheinlichkeit und Relevanz. Ein Ereignis kann unwahrscheinlich und trotzdem existenziell sein. Wer nur nach Eintrittswahrscheinlichkeit priorisiert, sortiert genau diese Fälle aus.

Erlaubnis zum Widerspruch. Szenarien machen es sozial zulässig, im Meeting eine abweichende Zukunft auszusprechen, ohne als Pessimist:in oder Spinner:in zu gelten. Unterschätzt – und vielleicht der größte Kulturhebel von allen.

Resilienz beginnt mit der zweiten Zukunft

Vorgetragen hat Carina Stöttner diesen Impuls beim Friends & Family Day des IST in Konstanz am Bodensee. Am 9. und 10. Juli hatte das Institut zu zwei Tagen mit Unternehmer:innen, Alumni, Projektpartner:innen und langjährigen Wegbegleiter:innen geladen. Den Auftakt bildete ein Get-Together in der IHK Hochrhein-Bodensee, gestaltet von Lucas Sauberschwarz, Sebastian Strohmaier, Lukas Dieterle und Carina Stöttner. Das gemeinsame Thema: Resilienz in der Zukunft.

Nach den Impulsen ging es aufs Wasser: eine Rundfahrt über den Bodensee, gute Gespräche, ein entspanntes Anstoßen in einer Kulisse, die man sich kaum besser ausdenken könnte. Am Freitag klang der Friends & Family Day im Institut aus.

Was von diesen Tagen bleibt, ist für Stöttner vor allem eine Beobachtung: Die Bereitschaft, gemeinsam über unbequeme Zukünfte nachzudenken, ist da – und sie wächst. Genau diese Bereitschaft ist der Anfang von Resilienz. Nicht die Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen, sondern die Fähigkeit, auf mehr als eine vorbereitet zu sein.

Ein herzlicher Dank geht an das IST-Team für Einladung und Gastfreundschaft – und an alle, die mitgedacht, mitdiskutiert und mitgefeiert haben.

Carina Stöttner at the LEON Congress Hesse: in conversation with Hesse's Deputy Minister-President, generals, and CEOs

Photo: Jana Kay. From left: Brigadier General Holger Radmann, Prof. Dr.-Ing. Guido H. Baltes (moderator), Christoph Bernius (Divisional Board Member Cyber Risk, Commerzbank AG), Kaweh Mansoori (Minister of Economic Affairs), Carina Stöttner (CEO Futurewise Company), Alexander Laukenmann (Senior Executive VP Fraport), Peter R. Manolopoulos (CEO Schunk Group). A look back at the closing keynote by futures researcher Carina Stöttner at LEON 2026 – and what she had to say about the future of industrial work, resilience, and the risks of overcorrected protectionism. It is already past 5 p.m. at the Casals Forum in Kronberg. A long day of the congress lies behind the roughly one hundred decision-makers from business, science, politics, and the German armed forces. The day’s major themes – resilience, security, transformation financing, the Mittelstand as an anchor of stability – have been drawn out. Introduced by Prof. Dr.-Ing. Guido H. Baltes, Carina Stöttner takes the stage and poses the question: where could German industry and the economy develop in the future? Stöttner is a futures researcher – not a forecaster who extends charts into the next ten years, but someone who works with companies, ministries, and educational institutions to make desired futures concrete. Her closing keynote “The Future of Industrial Work” was not a full stop, but a starting signal: for a debate that has been conducted too technocratically in Germany for too long – and now needs a direction.

Resilience is not defense – but the ability to build the future

Throughout the day, resilience had been the leitmotif of LEON 2026. Minister of Economic Affairs Kaweh Mansoori had declared it the “decisive prerequisite for competitiveness.” Stöttner picked up the term – and turned it around. Resilience, as the thrust of her keynote went, is not the attempt to defend a status quo against an uncertain world. Resilience is the ability to remain capable of action despite – and with the help of – disruptive change, and to shape desirable futures. Those who understand resilience merely as a protective shield build bunkers. Those who understand it as the capacity to shape things build platforms. This set the frame for the keynote’s two major thematic strands: deeptech and radical innovation on the one side, education and the work of the future on the other.

Deeptech and radical innovation: Germany’s real question of competitiveness as a location

Germany has an innovation paradox. Strong in research, strong in patents, strong in its Mittelstand – and yet behind the USA and China in many key technologies. Stöttner delivered a diagnosis for this that resonated in the room: We have perfected incremental innovation, but have structurally weaned ourselves off radical innovation. Deeptech – that is, technologies with high scientific risk and a long development horizon, from quantum computing through synthetic biology to new energy and materials systems – requires different conditions than the optimizing innovation in which German industry grew large:
    • Longer capital horizons than the typical German financing mix offers today
    • A higher tolerance for failure, both within companies and in the logic of public funding
    • Closer interlocking of cutting-edge research and industrial scaling, as well as international cooperation
    • Talent that thinks across disciplines and can move between lab, code, and factory floor

The trade-offs of protectionism: When resilience becomes a cage

Stöttner devoted perhaps the most delicate part of her keynote to a question that is often circumvented in the current industrial-policy discourse: What happens when protectionism becomes too drastic? Resilience and sovereignty are legitimate, even compelling, goals. But they have a downside that must be named in honest industrial policy:
    • Loss of innovation through isolation. Those who reorganize critical intermediate products on a purely national basis pay not only higher unit costs, but also lose the competitive pressure and knowledge exchange that drives innovation. Closed systems age faster than open ones.
    • Strategic costs of the subsidy spiral. Every industry kept in the country by subsidy ties up resources that are then lacking elsewhere. Where investment goes into the production of efficient commodities, capacities no longer suffice for new high technologies. Industrial policy is always also an allocation decision against alternative futures.
    • Reciprocity risks. Protective measures provoke protective measures. An exporting nation like Germany loses structurally more in an escalating protectionism spiral – in social prosperity and in growth.
    • Democratic erosion. When “strategic industries” become a permanent category, the entanglements between the state and corporations grow, weakening competition and renewal in the long term.
Stöttner’s plea was not a naive call for free trade, but a plea for measure: resilience where it is relevant to security and not otherwise attainable – and openness everywhere else, because openness remains the true source of innovation and prosperity. The desirable future lies not in maximal self-sufficiency, but in smart, partnership-based sovereignty.

What remains: Three imperatives for the next decade

From Stöttner’s keynote, three imperatives can be distilled that apply to any industrial and economic location – and to Hesse in particular:
    1. Bet on deeptech and radical innovation. Incremental improvement is a mandatory exercise, no longer a competitive advantage. The real challenge is: financing, organizing, and scaling technologies with a ten- to fifteen-year horizon now.
    1. Think about education and work from the perspective of the life course. Not curricula, but learning architectures. Not qualification as a project, but learning as infrastructure.
    1. Balance resilience and openness. Sovereignty where it is indispensable. Openness everywhere else – as a source of innovation, talent, and economic strength.

About the congress: LEON 2026 in Kronberg, Hesse

On 6 May 2026, representatives from business, science, politics, and security institutions came together at the Casals Forum Wiesbaden for the new Hessian economic and industrial congress LEON. The leitmotif: resilience as the decisive question of competitiveness for the 21st century. Three brackets held the day together:
    • Resilience becomes a question of competitiveness – in the face of fragile supply chains, geopolitical tensions, and rising energy and security requirements.
    • Industry, innovation, and security can no longer be thought of separately. Key technologies such as AI or new materials have civilian and security-relevant applications.
    • From a problem of insight to a problem of implementation. “We do not have a problem of insight, but rather a task of implementation,” Minister of Economic Affairs Kaweh Mansoori put it in his opening remarks.

The keynotes and impulses at a glance

    • Kaweh Mansoori, Hessian Minister of Economic Affairs – Opening
    • Prof. Marcel Fratzscher (DIW Berlin) – Keynote: “After Us, the Future. A New Generational Contract for Freedom, Security, and Opportunity”
    • Peter R. Manolopoulos (CEO Schunk Group) – “What Makes Us Strong: Resilience in the Industrial Mittelstand”
    • Hans-Dieter Kemler (Member of the Board, Helaba) – “Transformation Financing in Germany – Hesse Leads the Way”
    • Alexander Laukenmann (Senior Executive VP Fraport) stepped in for Dr. Pierre Dominique Prümm (Member of the Board, Aviation, Fraport AG) – “Rethinking Resilience: How Aviation Shapes the Future in Turbulent Times”
    • Christoph Bernius (Divisional Board Member Cyber Risk, Commerzbank AG) – “Cyber Resilience: Europe’s Path to Security and Economic Strength”
    • Dr. Kai Beckmann (CEO Merck KGaA) – Video message on the future of Merck
    • Defence Panel with Major General Wolf-Jürgen Stahl (President, BAKS), Thomas Mailänder (EDAG), Daniel Zittel (Daimler Truck), Prof. Dr. Andreas Glas (UniBw Munich), Dr. Hans Christoph Atzpodien (BDSV), and Brigadier General Holger Radmann (Landeskommando Hesse): “Why We Need Strong Cooperation Between the Bundeswehr, Business, and Innovation”
    • Nathalia Schomerus (Legal Innovation Lead, Legora) – “Security and Resilience of German Industry with Regard to Cybersecurity”
    • Hesse’s industrial frontrunners – Presentation of six outstanding Hessian companies: JUMO, Energiesysteme Groß, Vacuumschmelze, Ponticon, Stephan Schmidt KG, and Alexander Binzel Schweisstechnik / Abicor Group
    • Carina Stöttner, futures researcher – Closing keynote: “The Future of Industrial Work”
The stage program was complemented by 13 breakout sessions on topics such as reducing bureaucracy, cybersecurity, sustainable industry, transformation financing, and security-policy cooperation – as well as a poetic-musical wrap-up at the close. LEON is designed as a long-term platform. It sees itself, in Mansoori’s words, as the prelude to a dialogue meant to shape the years ahead: “The future of Hesse as a location for innovation and industry is being decided now.”

What is a driver? What is a trend?

Drivers: a definition

Drivers are the causes behind a trend. They describe the fundamental forces that set change in motion or accelerate it. A driver is an underlying dynamic that enables, forces or structures change.

Typical characteristics:

  • often operate over the long term
  • are frequently structural or systemic
  • aren’t always directly visible
  • can usually be assigned to a STEEP category

Examples

  • Demographic change
  • Technological progress (AI and automation, for instance)
  • Climate change
  • Geopolitical shifts in power
  • Changing values (security versus freedom, for instance)

 Drivers answer the question: “Why is something changing?”

Trends: a definition

Trends are the visible expressions of change.
They describe concrete developments, stable over a certain period, that emerge from one or more drivers.
A trend is an observable pattern in behavior, markets, technologies or social practice.

Typical characteristics:

  • are visible and can be described concretely
  • develop over a limited period (and can gain or lose momentum)
  • can be illustrated with examples, data or narratives
  • usually emerge from the interplay of several drivers

Examples

  • Remote and hybrid work
  • Electric mobility
  • Personalized medicine
  • The circular economy
  • Subscription models replacing ownership

Trends answer the question: “How does change actually show up?”